Trekking

Trekkingtour planen — woran solltest du alles denken?

Die Julihitze erreicht Südfinnland, und die beste Trekkingsaison des Jahres steht gerade erst bevor. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, kommende Abenteuer zu planen und vielleicht deine Trekkingausrüstung und -bekleidung auf Vordermann zu bringen.

Die Grundlagen des Draußenseins lernst du am besten auf Tages- und Wochenendtouren. Wenn der Appetit wächst, schnürst du die Wanderschuhe für längere Touren.

Trekking zur Zeit der Herbstfärbung

Ein gut gelaunter Wanderer inmitten der herrlichen Herbstfärbung im Wildnisgebiet Muotkatunturi.

Ich war schon immer der Meinung, dass es nicht die eine richtige Art zu wandern gibt – also gibt es auch nicht die eine richtige Art, eine Trekkingtour zu planen. Ich selbst versuche, meine Touren zu verschiedenen Jahreszeiten, in unterschiedlichem Gelände, mit unterschiedlicher Ausrüstung und in wechselndem Stil zu machen. So bleibt das Hobby frisch, du lernst ständig dazu und weißt künftig besser, was dir gefällt und was nicht.

Wenn ich von Trekking spreche, meine ich eine Tour, die länger als drei Nächte dauert, bei der du deine Ausrüstung aus eigener Kraft trägst und das Lager meist täglich wechselst. Der Grund: So lassen sich Touren am einfachsten einteilen – Tagestour, Übernachtungstour, Wochenendtour und Trekkingtour. Auf einer Tagestour übernachtest du nicht draußen, auf einer Übernachtungstour eine Nacht, auf einer Wochenendtour zwei Nächte, und eine Trekkingtour dauert mindestens drei Nächte.

Im Folgenden erzähle ich, worüber ich nachdenke, wenn ich eine Trekkingtour plane. Das Planen ist übrigens das Allerbeste daran: Es macht Spaß, Pläne auf Vorrat zu haben und dann den passenden herauszupicken, wenn es so weit ist.

Der Zeitpunkt der Tour bestimmt die Anforderungen an Bekleidung und Ausrüstung

Trekking geht das ganze Jahr über. In Lappland, dem Lieblingsziel vieler, gibt es acht Jahreszeiten – und jede davon lohnt sich für eine Tour. Das Jahr beginnt mit dem Frühling, wenn der Schnee rasch schmilzt und die Tage schnell länger werden. Darauf folgt der Frühsommer: Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf, der Sommer kündigt sich an, und danach kommt der eigentliche Sommer. Der dauert in Lappland nicht lange und bringt Mücken und Hitze. Danach folgt der Spätsommer: Es wird kühler, das Wandern meist angenehmer, und die Mücken verschwinden. Die Herbstfärbung, in Finnland „Ruska“ genannt, ist im Herbst oft um die zweite Septemberwoche am schönsten, dann setzen auch die Herbstregen ein. Im Frühwinter gibt es bereits Nachtfrost, vielleicht auch schon Schnee, und es wird deutlich kälter. Der Winter ist die Zeit der schönen Polarnacht: Fast täglich schneit es, die Tage sind kurz und es gibt nur wenige helle Stunden. Der Spätwinter beginnt meist um März und bietet die besten Bedingungen zum Skiwandern: Tagsüber kann es deutlich über null Grad haben, nachts friert es, die Nächte werden heller und die Tage länger.

Draußen in der Natur ist jedes Wetter schön

Nebelstimmung tief im Wildnisgebiet Vätsäri.

Die Jahreszeit gibt meist die Anforderungen vor, die schon weitgehend über Bekleidung und Ausrüstung entscheiden. Kein Jahr gleicht dem anderen, und die Jahreszeiten verschieben sich oft deutlich – dann heißt es: Wetterberichte verfolgen und nach den aktuellen Bedingungen auswählen. Gerade in höheren Lagen solltest du immer mit dem schlechtesten Wetter rechnen. Im Gebirge triffst du auch im Sommer auf winterliche Verhältnisse. Im Winter lohnt es sich, die Schneelage schon ein paar Wochen vor dem Start einer Skitour zu beobachten.

Ziel und Route auszuwählen ist oft der schönste Teil

Finnland und die nordischen Länder bieten selbst im weltweiten Vergleich großartige Trekkingziele. In Finnland ist man meist in Nationalparks, Wandergebieten, strengen Naturreservaten und Wildnisgebieten unterwegs. Am wichtigsten: Informiere dich immer über die Regeln des Gebiets, denn sie unterscheiden sich je nach Ziel. Das beste Hilfsmittel dafür ist die von der finnischen Forstverwaltung Metsähallitus betriebene Website luontoon.fi.

Praktische Kartendienste für die Planung von Routen und Zielen sind zum Beispiel retkikartta.fi, karttapaikka.fi und das neue, noch in Entwicklung befindliche und vielversprechende matkailukartta.fi.

Orientierung lernst du am besten mit Karte und Kompass

Auf dem Karhunpolku (Bärenpfad) in Ostfinnland, nahe dem Nationalpark Patvinsuo.

Viele fragen in Trekking-Gruppen auf Facebook nach Wanderrouten – davon gibt es in Finnland reichlich, und für den Anfang sind sie ideal, um die eigenen Fähigkeiten zu trainieren. Ich selbst bevorzuge allerdings Ziele abseits der markierten Wege, weit weg von anderen Menschen. Ich plane eine vorläufige Route auf der Karte und passe sie unterwegs oft noch etwas an. Dabei versuche ich, alle Orte einzubauen, die mir vorab auf der Karte interessant erschienen. Tipps für schöne Plätze hole ich mir hin und wieder in Foren und bei Freunden.

Mit leichter Ausrüstung kommst du auf dem Kungsleden zügig voran

Der berühmte Kungsleden in Schweden ist ein beliebter Fernwanderweg.

Wie weit du am Tag kommst, hängt stark vom Gelände, vom Gepäck, von der Tagesform und von der Stimmung ab. Auf markierten Wegen bist du außerdem schneller unterwegs als bei der Orientierung querfeldein im Wald. Anfängern empfehle ich oft, mit höchstens 10–15 km pro Tag zu rechnen. Wer gleich zu Beginn zu lange Etappen läuft, verliert womöglich schnell die Lust am Trekking.

Vor dem Start versuche ich, mir die Karte des Gebiets als großes Gesamtbild einzuprägen. Ich überlege, welche Möglichkeiten ich habe, wenn ich mich verlaufe oder mich aus irgendeinem Grund ohne Karte selbst in Sicherheit bringen muss. Meist verläuft am Rand von Wildnisgebieten eine Straße, ein Fluss oder Ähnliches – die solltest du dir merken.

Nationalparks bieten eine gute Infrastruktur

Finnland hat 40 Nationalparks, und sie gehören zu den Lieblingszielen vieler Wanderer. Jeder Nationalpark hat eigene Regeln. In der Regel darfst du nur an ausgewiesenen Plätzen übernachten und Feuer machen, und du sollst auf den Wegen bleiben. Dafür gibt es meist gute Feuerstellen mit Brennholzversorgung, Toiletten an den Lagerplätzen und gut markierte Wege. Achtung: Nicht in allen Nationalparks ist Übernachten erlaubt – prüfe die Regeln immer vorab.

An der Feuerstelle sitzt es sich immer gut

Am Feuer an einer Feuerstelle im Nationalpark Liesjärvi.

Dank ihrer guten Infrastruktur eignen sich die Nationalparks gut für Einsteiger. Die offenen Schutzhütten und Feuerstellen sind gut gepflegt. Wir selbst sind meist außerhalb der Saison in den Nationalparks unterwegs, wenn kaum jemand auf den Wegen ist und du an den Schutzhütten deine Ruhe hast. In der Hauptsaison kann es in den beliebtesten Parks sogar etwas “Gedränge” geben.

Wandergebiete haben ihre eigenen Regeln

In Finnland gibt es sieben von Metsähallitus verwaltete Wandergebiete. Viele frühere Wandergebiete wurden in Nationalparks umgewandelt. Bei der Zielsuche geraten die Wandergebiete deshalb leicht in Vergessenheit. Ich selbst war erst in drei davon, kann aber jedes als abwechslungsreiches Ziel empfehlen.

Selbst gefangener Fisch schmeckt immer am besten

Im Wandergebiet Ruunaa findest du Wildnislandschaft, hervorragende Feuerstellen, gute Angelmöglichkeiten und einen großartigen Fluss zum Wildwasserpaddeln.

In strengen Naturreservaten gelten genaue Regeln und Einschränkungen

In den strengen Naturreservaten findest du großartige Sehenswürdigkeiten. Einige davon sind komplett gesperrt. Manche sind nur für Tagestouren freigegeben, in anderen gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, etwa im Naturreservat Kevo. Du darfst dich meist nur auf den Wegen bewegen, und die Regeln sind sehr streng. Pass genau auf, dass du nichts Verbotenes tust.

Wildnisgebiete sind das Hauptziel erfahrener Trekker

In Lappland gibt es 12 wunderschöne Wildnisgebiete. Dort gibt es kaum markierte Wege, du orientierst dich selbst. Ein paar offene Wildnishütten findest du meist, aber nicht unbedingt Pfade, die dorthin führen. In Wildnisgebieten darfst du in der Regel übernachten, wo du willst, und auch Feuer machen ist mit wenigen Einschränkungen relativ frei erlaubt. Bei Waldbrand- und Grasbrandwarnung ist Feuer natürlich verboten.

Für die erste Trekkingtour sind Wildnisgebiete nicht unbedingt das beste Ziel. Voraussetzung sind sichere Orientierungsfähigkeiten und Erfahrung mit schwierigen Wetterbedingungen.

Für viele ist Vätsäri der König der finnischen Wildnis

Die Schönheit des Wildnisgebiets Vätsäri. Kein Gedränge, keine Eile.

Mein Ziel ist es, in jedem Wildnisgebiet drei Touren zu machen: eine Wintertour, eine Paddeltour und eine ganz normale Tour zu Fuß. So erlebe ich die Gebiete zu verschiedenen Jahreszeiten und in unterschiedlichem Gelände. Im Winter geht es viel über Moore und durch Niederungen, beim Paddeln entlang der Gewässer, und die Touren zu Fuß in der warmen Jahreszeit führen oft über das Fjellhochland und zu den höchsten Punkten.

Die beste Zeit für Paddeltouren ist der lappländische Frühling, der je nach Jahr etwas schwankt, aber etwa in den Juni fällt. Dann führen die Flüsse am meisten Wasser. Die beste Zeit zum Wandern ist Anfang Juni vor den Mücken und dann wieder ab August bis nach der Herbstfärbung.

In Schweden und Norwegen findest du Gebirge

Wenn du etwas erleben willst, das ganz anders ist als Finnland und doch irgendwie vertraut, haben Schweden und Norwegen viel zu bieten. Meiner Meinung nach liegen die besten Trekkingziele der Welt in den nordischen Ländern.

In den Fjällstationen kannst du zum Beispiel Kekse kaufen

Die Fjällstation Aktse nahe dem Sarek-Nationalpark in Schweden.

In Schweden kannst du das Unterwegssein im Gebirge gut üben, zum Beispiel auf dem Kungsleden von einer Fjällstation zur nächsten. Als STF-Mitglied nutzt du die Angebote der Stationen günstiger; auch ohne Mitgliedschaft kannst du dort oft Trekkingnahrung und Leckereien kaufen.

Schwedische Nationalparks unterscheiden sich von den finnischen darin, dass sie eher unseren Wildnisgebieten ähneln. Sarek und andere Gebirgsregionen sind anspruchsvolles Gelände und erfordern etwas Eingewöhnung und neue Fähigkeiten.

Der High Coast Trail führt durch großartige Landschaften

Ein interessantes Ziel in Schweden ist die Höga Kusten mit dem schönen The High Coast Trail.

Allein oder in der Gruppe?

Viele Wanderer sind es gewohnt, allein unterwegs zu sein, und genießen die Freiheit, die man nur allein erlebt. Andere tun sich schwer, Begleitung für ihre Touren zu finden. Hier helfen oft Trekking-Gruppen auf Facebook.

Im Gebirge lohnt es sich, innezuhalten und die Aussicht zu genießen

Ein fünfköpfiges Packraft-Team auf der Suche nach dem Oberlauf des Kaitumälven in Nordschweden.

Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass ich Touren mit meiner Frau am liebsten mag. Wir sind ein gutes Team und haben viel zusammen erlebt. Bald fanden wir auch Gleichgesinnte, und ich merkte, dass geteilte Erlebnisse die besten sind. Meist versuchen wir deshalb, so viele Freunde wie möglich mitzunehmen.

Unterwegs in der Gruppe gibt es aber eigene Herausforderungen, besonders bei einer Extremsportart wie Packrafting. Auf Packrafting-Touren sorgt ein gutes Team für Sicherheit. Ein gutes Team arbeitet ständig zusammen und achtet auf die Sicherheit aller. Es übt unterwegs Sicherheitsabläufe, und jeden Tag gibt es eine Besprechung, in der gemeinsam entschieden wird. Bewährt hat sich eine Packraft-Teamgröße von etwa 4 Personen – ein paar mehr gehen auch, aber möglichst nicht weniger.

Am Goldfluss Ivalojoki weht ein Hauch von Geschichte

Ein dreiköpfiges Ally/Packraft-Team hat am Ivalojoki hervorragend funktioniert. Hilfe kam immer von den anderen, selbst wenn man gar nicht daran dachte, darum zu bitten.

Ich habe gelernt: Bevor du eine lange gemeinsame Tour machst, teste auf einer kürzeren Tour, ob die Chemie in der Gruppe stimmt, ob alle einen ähnlichen Rhythmus haben und ob ihr dasselbe von der Tour erwartet. Manchen ist es am wichtigsten, lange Strecken zu machen und die Tour als eine Art Training zu erleben, andere wollen langsam und genussvoll unterwegs sein. In unserer Gruppe besprechen wir vorab den Stil der nächsten Tour: Nehmen wir leichtes oder schweres Gepäck mit? Außerdem legen wir die Gemeinschaftsausrüstung fest, die gleichmäßig auf alle verteilt wird.

Trekking geht in vielen Stilen

Den Stil einer Tour bestimmt oft, ob du zu Fuß, auf Ski oder mit Kanu/Kajak unterwegs bist. Jahreszeit, Wetter und Ziel stellen eigene Anforderungen, aber den Stil kannst du vor der Tour oft auch selbst wählen. Nicht jede Tour muss nach derselben Routine laufen.

Vor einer Tour überlegen wir oft, was wir eigentlich wollen. Möglichst viele Kilometer mit leichter Ausrüstung? Oder lieber entspannt mit kürzeren Etappen und dafür gutem (sprich: schwerem) Essen?

Sarek ist wohl das anspruchsvollste Trekkingziel auf dem skandinavischen Festland

Ein namenloser See und ein schöner Lagerplatz im Sarek-Nationalpark in Schweden.

Ich besitze drei Trekkingrucksäcke, ein vierter ist bestellt. In meinem Ausrüstungsraum liegen bereits sechs Zelte. Dazu kommen ein paar Paar Ski, ein Packraft, drei Pulkas und meterweise Trekkingausrüstung. Klingt verrückt, aber mit dieser Ausrüstung sind die unterschiedlichsten Touren in verschiedenen Stilen möglich.

Ich finde, Geld in Hobbys zu investieren ist sinnvoll. Sie bringen keinen finanziellen Gewinn, aber Erlebnisse, die größer sind als das Leben. Auf dem Sterbebett muss ich mich dann nicht fragen, warum ich meine Träume nicht verwirklicht habe…

Was essen und trinken auf Trekkingtour?

Diese Frage höre ich sehr oft, und auch in den Facebook-Gruppen taucht sie ständig auf. Die eine richtige Antwort gibt es auch hier nicht. Grundsätzlich kannst du dasselbe essen wie zu Hause, fertige Trekkingnahrung kaufen oder etwas dazwischen wählen. Fertiggerichte sind die einfache Lösung, aber Essen unterwegs kann auch abwechslungsreicher sein – du entscheidest selbst, wie viel Zeit du ins Kochen stecken willst.

Mit dem Holzkocher gekochtes Essen schmeckt irgendwie immer besser

Kochen mit dem Holzkocher hat mehr Atmosphäre.

Zum Kochen brauchst du meist einen Kocher, zum Beispiel einen Gas-, Benzin-, Spiritus- oder Holzkocher. In baumlosen Gebieten ist in der warmen Jahreszeit meist ein Gaskocher die beste Wahl, im Winter bist du mit einem Benzin- oder Mehrstoffkocher auf der sicheren Seite. Der Spirituskocher ist eine der günstigsten Optionen und war früher am weitesten verbreitet, doch Gaskocher haben ihn dank Schnelligkeit und Effizienz fast verdrängt. Holzkocher nutzen nur wenige – sie erfordern etwas Übung und ein Gebiet mit genug trockenen Zweigen, sind aber neben dem offenen Feuer mein Favorit. In den Gebieten von Metsähallitus darf der Holzkocher bei Waldbrandwarnung außerdem nicht mehr verwendet werden.

Am Lagerfeuer gekochtes Essen ist vielleicht das beste

Das Abendessen gart über dem Lagerfeuer im Naturschutzgebiet Sjaunja, tief in der Wildnis von Schwedisch-Lappland.

Meine Frau und ich essen auf Touren überwiegend vegetarisch und vegan, ab und zu aber auch etwas Fleisch. Pflanzliches Essen ist leichter, hält länger und schmeckt mir besser als Fleischgerichte. Auch Nachhaltigkeit hat uns zur vegetarischen Küche gebracht. Gemüse trocknen wir meist selbst zu Hause und packen fertige Rationsbeutel (in wasserdichten Zippbeuteln) mit dem Essen für zwei Personen für einen Tag. So lässt sich auch leicht die richtige Menge Essen für die Tour berechnen. Würstchen bleiben schon seit Jahren im Supermarktregal. Im Verhältnis von Gewicht zu Nährwert sind sie einfach zu schwer.

Moltebeeren und Heidelbeeren auf Pfannkuchen

Im Sommer beginnt die Beerenzeit, dann sind die Wälder voller Leckereien.

Wasser solltest du grundsätzlich immer aufbereiten. Ich selbst trinke allerdings oft direkt aus Gewässern und verlasse mich vor dem Schluck auf Augen und Nase. Das beste Trinkwasser findest du in kalten, schnell fließenden Bächen. Ein Risiko, sich etwas einzufangen, besteht aber immer – irgendwann werde ich also wohl eine längere Zeit im Gebüsch sitzen und meinen Magen entleeren.

Wildkräuter und selbst gefangener Fisch – regionaler geht es nicht

Frisch gefangene Äsche, dazu köchelt Schmalblättriges Weidenröschen als Beilage.

Aufbereiten kannst du Wasser durch Abkochen – ab etwa 80 Grad sind fast alle Bakterien abgetötet. Am sichersten ist es aber, das Wasser eine Weile richtig sprudelnd kochen zu lassen. Weitere Optionen sind Filter und Tabletten. Wir verwenden den Befree-Filter und die LifeStraw-Flasche. Die LifeStraw-Flasche ist zum Beispiel beim Paddeln praktisch: Du trinkst direkt durch den Filter. Ich habe damit schon Wasser aus dem Vantaanjoki und aus dem schlammigen Colorado River im Grand Canyon getrunken. Der Befree wiederum ist ein schneller, unkomplizierter Filter, wenn du Wasser in ein größeres Gefäß filtern willst.

Meist reichen eine Tasse und ein Löffel als Geschirr

Natürlich brauchst du auch Campinggeschirr: einen Topf zum Wasserkochen und Kochen sowie Essbesteck – mir haben eine Tasse und ein Löffel gereicht. Oft habe ich auch eine Kuksa, die traditionelle Holztasse, für den Kaffee dabei, und manchmal kippe ich daraus einen Aperitif/Digestif hinunter (falls du weißt, was ich meine).

Die Wahl des Nachtlagers

Über die Wahl des Nachtlagers haben wir in unseren Elämää Ulkona-Tipps hier geschrieben. Ich mag ein Tarp als Unterkunft sehr, allerdings eignet es sich kaum für baumlose Gebiete und ist zur Hochsaison der Stechmücken nicht die beste Wahl. Dann nutze ich meist meine Ultralight-Unterkünfte, gleich danach folgt das Tunnelzelt.

Ein Tunnelzelt ist eine gute Wahl für Trekking in Lappland

Ein Tunnelzelt bewährt sich in der nördlichen Wildnis, wenn die Längsseite in Windrichtung steht. Tunnelzelte haben oft auch eine praktische Apsis (Vorzelt), in der du bei schlechtem Wetter vorsichtig kochen kannst.

Sicherheit auf Trekkingtouren

Ich will dir keine Angst machen, aber über Risiken zu sprechen ist immer sinnvoll. Für das Risikomanagement nutze ich eine Tabelle, die sich auch auf Trekkingtouren anwenden lässt. Sie hilft dabei, zu überlegen, welche Risiken es gibt und was du dagegen tun kannst.

Du musst die Tabelle natürlich nicht für jede Tour ausfüllen, aber mir fällt das Denken damit leichter. Ich bin alle Risiken durchgegangen, die mir eingefallen sind, und habe sie in die Tabelle eingetragen. Überlege bei jedem Risiko, ob du es irgendwie verringern kannst und wie du handelst, falls es eintritt. Nach einem Durchgang hast du die Risiken auch ohne Tabelle im Kopf.

Tabelle zum Risikomanagement

In die Tabelle trägst du dann die Risiken ein, die du dir überlegt hast. Zum Beispiel: Sturz beim Gehen: Die Wahrscheinlichkeit ist vielleicht mittel, die Folgen ebenfalls mittel. Kentern beim Paddeln im Wildwasser: Die Wahrscheinlichkeit kann hoch und die Folgen schwer sein. Landet das Kreuz rechts unten, musst du etwas tun, um das Risiko zu verringern – oder die Sache ganz lassen.

Auf das Risiko Kentern beim Paddeln im Wildwasser haben wir so reagiert: Die schwierigsten Stromschnellen umtragen wir, wir trainieren ständig unsere Wildwassertechnik, haben einen Rescue 3-Kurs in Wildwasserrettung absolviert und üben Rettungstechniken und Schwimmen im Wildwasser sehr intensiv. Außerdem haben wir die nötige Ausrüstung für die Wildwasserrettung dabei.

Ein entspannter Paddler in der Wildnis von Sjaunja

Wenn die Risiken durchdacht sind, kannst du es entspannter angehen.

Manche Risiken sind materiell, etwa wenn Ausrüstung oder Kleidung kaputtgeht. Dagegen helfen Reparaturkenntnisse und Flickzeug sowie eine Versicherung. Prüfe übrigens vor jeder Abreise, ob deine Versicherung Schäden auf Trekkingtouren abdeckt.

Packliste für Trekkingtouren

Oft werde ich auch nach Packlisten gefragt. Die solltest du immer mit Vorsicht genießen. Jeder entscheidet selbst, was er mitschleppt und was nicht. Als Orientierung taugen sie aber, deshalb teile ich hier meine eigene Liste – denk dabei an meine Warnung.

Im Gebirge kann selbst mitten im Sommer Winterwetter einsetzen

Manchmal gibt es im Gebirge selbst mitten im Juli winterliches Wetter. Kurz nach dieser Aufnahme fing es an zu schneien.

Am Anfang lohnt es sich, eine Packliste zu schreiben und jedes Kleidungsstück und Ausrüstungsteil abzuhaken, sobald es im Rucksack ist. Wer ein richtig schlechtes Gedächtnis hat, so wie ich, kann auch abhaken, sobald es im Auto liegt. Mehr als einmal ist bei mir schon etwas zu Hause liegen geblieben…

Packliste für Trekkingtouren (Ausrüstung, die fast immer dabei ist):

In den Rucksack (Kleidung und Schlafsack in einem wasserdichten Packsack):

Unterkunft, Kocher + Brennstoff, Topf, Essgeschirr, Kuksa, Puukko-Messer, Feuerzeug und Feuerstarter, Erste-Hilfe-Set, Isomatte, Schlafsack + Inlett, warme und regenfeste Kleidung, Ersatzsocken, Unterhosen, Unterhemd, Hygieneartikel, ggf. Medikamente, Sonnenbrille, Sonnencreme, GPS-Gerät, Trinkflasche, ggf. Wasseraufbereitung, Stirnlampe für die dunkle Jahreszeit, Toilettenpapier in einem wasserdichten Beutel und Proviantbeutel.

Außerdem trage ich jede Menge Kameraausrüstung mit mir herum. Manchmal habe ich ein kleines Reisehandtuch zum Baden dabei. Eine Axt nehme ich selten mit, aber da ich über 20 Äxte besitze, verirrt sich doch ab und zu eine in den Rucksack. Und ein Müllbeutel kommt auch mit – wir hinterlassen keine Spuren in der Natur.

Das Erste-Hilfe-Set vergessen viele

In meinem Erste-Hilfe-Set steckt ein simples Tastenhandy, dessen Akku monatelang hält – damit kannst du auch ohne SIM-Karte den Notruf wählen. Ein Ersatzkompass sowie Feuerzeug und Feuerstarter stecken im selben Paket.

Am Körper (mehr über das Zwiebelprinzip mit drei Schichten liest du hier):

Schuhe + Trekkingsocken, Funktionsunterwäsche, Trekkinghose, atmungsaktives Oberteil, Kopfbedeckung, ggf. Handschuhe, Kartentasche + Karte + Kompass, Multitool am Gürtel und Trekkingstöcke in der Hand.

Am wichtigsten ist aber eine große Portion Abenteuerlust und gute Laune. Wenn die dabei sind, kannst du die Hälfte der eben genannten Dinge zu Hause vergessen und trotzdem eine großartige Tour erleben.

Packraft-Ausrüstung:

Ist ein Packraft dabei, kommen noch hinzu: Bow Bag (Bugtasche), 4-teiliges Paddel, Trockenanzug, Paddelschuhe (oft schon an den Füßen), Schwimmweste, Helm (bei Stromschnellen), GoPro mit Halterungen und Rettungsset: Wurfsack, drei Schraubkarabiner, 4 m Bandschlinge, zwei Seilrollen und zwei Prusikschlingen.

Für Wintertouren braucht es so andere Kleidung und Ausrüstung, dass ich sie hier weglasse. Darüber schreibe ich, wenn der Winter näher rückt.

Zu Hause bleiben:

Stress und Hektik.

Schöne Lappland-Landschaft im Wildnisgebiet Vätsäri

Der Text ist am Ende ziemlich lang geworden, dabei habe ich die Themen nur oberflächlich angerissen. Darüber könnte man locker ein dickes Buch schreiben. Trekking als Hobby ist aber weder schwierig noch kompliziert – es sei denn, du machst es dazu. Am wichtigsten ist der Mut, es einfach auszuprobieren. Und nach der ersten Tour gibt es meist kein Zurück mehr. Du bist ein neuer Mensch.

Wenn du Fragen zum Trekking hast, erreichst du mich am einfachsten per E-Mail unter caj@sos.fi. Dann bleibt nur noch eins: unvergessliche Abenteuer! Hab Spaß und bleib sicher!