Trekking

Leichtgewicht-Trekking: Expertentipps und Packliste für deine Tour

Wandern und Trekking haben einen großen Vorteil: Jeder kann sie auf seine eigene Art betreiben. Es gibt kein Richtig oder Falsch, solange du dich an die Regeln des jeweiligen Gebiets hältst und der Natur keinen Schaden zufügst. In diesem Ratgeber erklären wir, was Ultraleicht-Trekking ist, und vergleichen unterschiedlich schwere Rucksäcke.

In der nordischen Outdoor-Kultur ist die Verbindung zur Natur traditionell eng – auf Tour geht man oft, um die Stille der Wildnis zu genießen. In den USA dagegen, wo Ultraleicht-Trekking in Rekordtempo an Beliebtheit gewonnen hat, ging es Thru-Hikern vor allem darum, möglichst lange Strecken zurückzulegen. Mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein, war dafür praktisch die einzige Option.

Ultraleicht-Trekking kann bedeuten, um jedes Gramm zu feilschen, um einen möglichst leichten Rucksack zu bekommen. Oder du reduzierst das Gewicht einfach dort, wo es ohne größere Kompromisse möglich ist. Grammzählerei ist also nicht automatisch dasselbe wie Ultraleicht-Trekking.

Mit leichtem Gepäck bist du schneller, entspannter und oft auch sicherer unterwegs als mit einem schweren Rucksack.

Um das Ultraleicht-Trekking ranken sich viele Mythen: Es sei teuer, gefährlich, unbequem, und leichte Ausrüstung halte nichts aus. Das muss nicht so sein. Leichte Outdoor-Ausrüstung ist heute solide verarbeitet, die Preise sind mit der steigenden Nachfrage gesunken – und letztlich geht es vor allem um die Frage, ob du lieber einen schweren oder einen leichten Rucksack tragen willst. Wir vermuten, die meisten entscheiden sich für den leichten.

Leichtere Ausrüstung heißt nicht automatisch weniger Komfort – wenn du willst, sogar im Gegenteil. Spart deine Ausrüstung Gewicht, bleibt Platz für anderes: mehr Essen und Getränke, Kamerazubehör, Angelausrüstung und Ähnliches. Auch ein leichtes Dreipersonenzelt für eine Person bringt dir im Lager deutlich mehr Komfort.

TIPPS FÜR EINEN LEICHTEREN RUCKSACK

Beim Packen hörst du oft den Begriff Base Weight oder Basisgewicht. Gemeint ist das Gewicht des Rucksacks ohne Verbrauchsgüter wie Essen, Getränke und Brennstoff. Genau um die Reduzierung dieses Basisgewichts geht es in diesem Blogbeitrag.

Caj bricht für zwei Wochen in den Sarek-Nationalpark auf – auf dem Rücken den Leichtrucksack Exped Lightning 45.

Ein leichterer Rucksack ist oft eine Frage der Erfahrung. Nach ein paar Touren merkst du, welche Ausrüstung du umsonst mitgeschleppt hast – und was ungenutzt bleibt, darf künftig zu Hause bleiben. Viele sind trotzdem überrascht, wie viel einzelne Teile wiegen und wie oft sich ein schweres Kleidungs- oder Ausrüstungsstück durch eine leichtere Alternative ersetzen ließe. Ein bewährter Trick: Wiege deine gesamte Outdoor-Ausrüstung und erstelle daraus eine Tabelle, etwa in Excel oder Google Sheets (im Netz gibt es dafür auch spezielle Tools). So siehst du schnell, woraus sich das Gewicht deines Rucksacks tatsächlich zusammensetzt.

Alles beginnt mit dem Rucksack selbst

Häufig ist der Rucksack selbst das schwerste Ausrüstungsteil. Oft ist er auch zu groß – und freier Platz wird gern mit Überflüssigem gefüllt. Wähle die Größe so, dass alles Nötige hineinpasst. Am Anfang ist das gar nicht so einfach: Als Einsteiger weißt du noch nicht genau, was du alles brauchst, und viele deiner ersten Ausrüstungsteile sind eher voluminös. Dann bleibt dir kaum etwas anderes übrig, als auch einen großen Rucksack zu kaufen.

Hier findest du unsere leichtesten Trekkingrucksäcke.

Erfahrene Ultraleicht-Trekker sind auf ein- bis zweiwöchigen Touren mit Rucksäcken unter 50 Litern unterwegs. Das setzt allerdings voraus, dass die gesamte Ausrüstung leicht und kompakt ist.

Wähle die Unterkunft passend zu Ziel und Tourenstil

Leichte Unterkünfte gibt es in vielen Varianten und Preisklassen. Bei der Sicherheit solltest du aber keine Abstriche machen.

Bei der Wahl der Unterkunft sollte Sicherheit das erste Kriterium sein. Im Gebirge stellt der Wind eigene Anforderungen, die Jahreszeit weitere. Erst danach geht es um die Balance zwischen Gewicht, Preis und Komfort. Zur Zeltwahl haben wir bereits einen Beitrag geschrieben: Mikkos Tipps zum Zeltkauf.

Hier findest du unsere leichtesten Zelte und Unterkünfte.

Rechne das Zeltgewicht am besten pro Person, die darin schläft. Bei den leichtesten Zelten liegst du schnell unter 1 kg pro Person. Manchmal ist ein schwereres Zelt gerechtfertigt, manchmal ergibt es keinen Sinn, zu viel Gewicht zu schleppen – das musst du vor jeder Tour selbst abwägen. Viele Wanderer haben deshalb mehrere Zelte und Tarps zu Hause und nehmen jeweils das passende mit.

Ein warmer Schlafsack sorgt für guten Schlaf

Der deutlichste Unterschied zwischen Kunstfaser- und Daunenschlafsack ist das Packmaß. Ein Kunstfaserschlafsack kann fast viermal so viel Volumen haben wie ein gleich warmer Daunenschlafsack.

Bei der Isolation des Schlafsacks solltest du nicht sparen. Gewicht und Volumen sparst du am besten mit einem Daunenschlafsack. Daune isoliert besser als Kunstfaser, und die Bauschkraft (Fill Power, FP) gibt Auskunft über die Qualität der Daune. Je höher der FP-Wert, desto hochwertiger die Daune. Ein Schlafsack mit hochwertiger Daune ist leicht – das schlägt sich aber auch im Preis nieder.

Hier findest du Schlafsäcke und Isomatten fürs Ultraleicht-Trekking.

Achte beim Schlafsack auf die Komforttemperatur. Sie wird getrennt für Frauen und Männer angegeben und zeigt, bis zu welcher Temperatur du im Durchschnitt noch bequem schlafen kannst. Denk aber daran, dass jeder Kälte anders empfindet. Neben dem Schlafsack spielen auch andere Faktoren eine Rolle, etwa der R-Wert der Isomatte, Wind und Zugluft, deine Kleidung, wie durchgefroren du beim Schlafengehen bist und wie gut du vorher gegessen hast.

Eine aufblasbare Isomatte braucht wenig Platz

Eine Schaumstoffmatte und eine aufblasbare Isomatte mit nahezu gleichem R-Wert. Beim Packmaß liegen Welten dazwischen.

Eine aufblasbare Isomatte lässt sich kleiner verpacken als eine Schaumstoffmatte und hat meist ein besseres Verhältnis von Gewicht zu Isolation. Die Vorteile der Schaumstoffmatte: Sie ist günstiger, kann nicht platzen und taugt auch gut als Sitzunterlage.

Die Isolation von Isomatten wird als R-Wert angegeben – je höher der Wert, desto besser isoliert die Matte. Als Faustregel gilt: Werte von 1 bis 3 sind reine Sommermatten, ab 3 kommst du auch im Winter zurecht, und Matten mit einem R-Wert über 5 sind echte Wintermatten. Wie beim Schlafsack beeinflussen auch hier die oben genannten Faktoren, wie warm dir ist.

Wenn du dir für Sommertouren und kältere Bedingungen getrennte Isomatten zulegst, sparst du viel Packmaß und etwas Gewicht. Im Bild die Ultra 3R M Mummy und die Ultra 1R M Mummy von Exped.

Überleg dir vor dem Kauf, was du wirklich brauchst. Wer das ganze Jahr über unterwegs ist, nutzt vielleicht lieber eine Matte für alle Jahreszeiten – oder kauft eine Sommer- und eine Wintermatte und spart so im Sommer Gewicht und Packmaß.

Koch- und Essgeschirr

Plane beim Kochen vorab, was du zubereiten willst und wie. Oft reicht ein einziger Topf oder ein Gefäß zum Wasserkochen, für manche Gerichte brauchst du aber zwei Töpfe. Größe und Gewicht der Töpfe solltest du an die Tour anpassen. Am leichtesten ist Geschirr aus Titan – leicht, aber auch teuer. Weitere leichte Materialien sind Aluminium und Kunststoff.

Hier findest du unser leichtestes Koch- und Essgeschirr.

Bei Kochern gibt es viele Optionen. Die beliebtesten Kocher fürs Ultraleicht-Trekking im Sommer sind Gaskocher und Hobo-Kocher. Ein Gaskocher ist einfacher und schneller in der Handhabung und – je nach mitgeführter Gasmenge – meist sogar leichter. Ein Hobo-Kocher braucht etwas mehr Übung und ein Gebiet, in dem du Zweige als Brennstoff findest. Hobo-Kocher sind schwerer als Gaskocher, brauchen aber insgesamt weniger Platz, weil du kein Gas mitnehmen musst. Sie gelten inzwischen als offenes Feuer und dürfen daher nicht überall genutzt werden.

Hier findest du unsere leichtesten Kocher.

Auf Tour reichen in der Regel ein Löffel, eine Schale fürs Essen und ein Becher für Getränke. Bist du allein unterwegs, kannst du direkt aus dem Topf essen. Eine hölzerne Kuksa ist schwer – ob du sie mitnehmen willst oder ob dir ein leichter, platzsparender Faltbecher reicht, entscheidest du selbst.

Die richtige Kleidung ist leicht – im Rucksack und am Körper

Spätestens bei der Excel-Tabelle stellst du meist fest, dass Kleidung überraschend viel wiegt. Aus Sicherheits- und Komfortgründen muss sie dich aber ausreichend vor Wind, Nässe und Kälte schützen. Im Gebirge – ob in den Alpen oder im Fjell Lapplands – ist es keine Seltenheit, auf ein und derselben Tour Hitze zu genießen, durch Schnee zu stapfen, im Starkregen nass zu werden und mit wehendem Bart schöne Gipfel zu erklimmen.

Hier findest du Bekleidung fürs Ultraleicht-Trekking.

Hardshelljacken und -hosen schützen zuverlässig vor Regen, leichte Isolationsjacken halten die Kälte fern. Achte auf das Gewicht und darauf, dass sich die Teile klein verpacken lassen.

Mit leichtem Gepäck funktionieren auch leichte Schuhe

Ultraleicht-Trekker tragen oft auch leichte Schuhe. Damit bist du wendiger und hast einen leichteren Schritt als in schweren Trekkingstiefeln. Sind deine Füße an robuste Wanderstiefel gewöhnt, solltest du sie schon bei kürzeren Touren vor der großen Wanderung an leichtere Schuhe mit weniger Halt gewöhnen.

Bei leichten Schuhen gibt es zwei Lager. Die einen setzen auf wasserdichte Schuhe und eventuell sogar wasserdichte Socken, die anderen wollen einen atmungsaktiveren Schuh, lassen ihn bewusst nass werden und trocknen ihn abends im Lager. Getragen werden Wanderschuhe, Trailrunningschuhe oder sogar Barfußschuhe.

Trekkingstöcke helfen beim Gleichgewicht und senken das Verletzungsrisiko. Außerdem erhöhen sie meist dein Durchschnittstempo, helfen bei Bach- und Flussquerungen, “nehmen” Gewicht von den Schultern, verteilen die Belastung von den Beinen auf die Arme und sind bei vielen leichten Unterkünften fester Bestandteil des Aufbaus.

Sonstiges Zubehör

In Rucksäcken mit vielen kleinen Taschen sammelt sich mit der Zeit jede Menge Kleinkram an – manches davon nur für alle Fälle. Überleg dir, ob du wirklich alles brauchst. Ausnahme: Sicherheitsausrüstung wie das Erste-Hilfe-Set.

Empfehlenswert sind zumindest ein Erste-Hilfe-Set, ein Messer/Multitool, ein Kompass, eine Karte, Feuerzeug bzw. Zündmittel, ein GPS-Gerät, eine Stirnlampe und ein Wasserfilter.

DIE AUSRÜSTUNG HÄNGT VON DER TOUR AB

Wie eingangs gesagt: Es gibt kein Richtig oder Falsch beim Wandern. Um die Unterschiede zwischen den Stilen greifbar zu machen, haben wir zwei Rucksäcke aus zwei verschiedenen Lagern für zwei unterschiedliche Tourenarten gepackt. Wir haben den Gesamtpreis berechnet und das Gewicht gemessen.

Das Trekking-Paket

Rucksack: Fjällräven Kajka 85
Zelt: Fjällräven Abisko Dome 3
Schlafsack: Haglöfs Tarius -5
Isomatte: Thermarest Trail Lite Regular
Kocher: Trangia 27-3 UL GB
Wärmeschicht: Fjällräven Övik Roll Neck Sweater
Regenjacke: Helly Hansen Moss Jacket

Gesamtgewicht: 11,913 kg Gesamtpreis: 2023,90 €

Das Ultraleicht-Paket

Rucksack: Lundhags Padje Light 45 Regular
Zelt: MSR Freelite 3 V3
Schlafsack: Deuter Astro 400
Isomatte: Exped Ultra 3R M Mummy
Kocher: MSR PocketRocket 2 Mini Stove Kit
Wärmeschicht: Rab Men’s Microlight Jacket
Regenjacke: Rab Downpour Eco Jacket Men

Gesamtgewicht: 4,477 kg Gesamtpreis: 1943 €

Fazit zur Ausrüstung

Schlafsäcke und Isomatten sind in beiden Paketen praktisch gleich warm. Beide Zelte bieten Platz für drei Personen. Beim Kochgeschirr hat das Trekking-Paket mehr Töpfe und eine Bratpfanne. Für eine lange Tour reicht die Kleidung in keinem der beiden Pakete, beide enthalten aber eine Isolationsschicht für den Oberkörper und eine Regenjacke.

Preislich gibt es zwischen den Paketen praktisch keinen Unterschied. Den größten Einfluss auf den Preis hat das Zelt – damit lässt sich der Unterschied in beide Richtungen verschieben. Was lernen wir daraus? Wenn du Trekkingausrüstung kaufst, kannst du das Gewicht bei jedem einzelnen Teil beeinflussen. Zählst du alles zusammen, wird der Unterschied schnell sehr groß.

Ganz fair und ausgewogen war der Vergleich vielleicht nicht, aber er gibt dir eine Vorstellung davon, welche Ausrüstung für deine Touren infrage kommt. Am Ende ist es immer ein Kompromiss im komplexen Zusammenspiel von Gewicht, Preis und Komfort. Den einen richtigen Stil gibt es nicht – jeder hat seine eigenen Vorlieben.

Schau dir unsere Ultraleicht-Ausrüstung im Onlineshop und in unseren Filialen an. Wir wünschen dir einen schönen Sommer und gelungene Wanderungen und Touren – ganz gleich, in welchem Stil du unterwegs bist!