Tipps zur Vorbereitung auf den Segeltörn
Der Autor ist Brandmeister bei der Rettungsbehörde Westusimaa. In seiner Freizeit segelt er, fährt Freeride, geht Bergsteigen und läuft Trail. Außerdem arbeitet er in Teilzeit als Verkäufer in unserem Geschäft in Tammisto und berät Kundinnen und Kunden auf Basis seiner vielseitigen Erfahrung.
9 Tipps zur Vorbereitung auf den Segeltörn
- Prüfe Zustand und Handhabung der Rettungswesten
Beim Segeln gehören die regelmäßige Kontrolle der Rettungswesten und das Üben ihrer Handhabung fest zur Sicherheit. Selbst bei gutem Wetter ist es schwierig, jemanden aus dem Wasser zurück an Bord zu holen. - Teste das UKW-Seefunkgerät, bevor du ablegst
Der Mobilfunkempfang in den Schären kann schwach sein. Im Notfall ist das UKW-Funkgerät deshalb ein wichtiges Kommunikationsmittel. - Übe die Selbstrettung in der Praxis
In Selbstrettungskursen trainierst du zum Beispiel, eine über Bord gegangene Person wieder an Bord zu holen oder in eine Rettungsinsel zu klettern. - Plane die Route und studiere die Seekarten im Voraus
Die Routenplanung mit Karten und Hafenhandbüchern ist bereits Teil des Abenteuers und hilft dir später bei der Navigation. - Rechne mit Wetterumschwüngen und vergleiche Vorhersagen
Auf See kann das Wetter schnell umschlagen. Vergleiche verschiedene Vorhersagen, um ein verlässlicheres Bild der Bedingungen zu bekommen. - Übe mit elektronischen und klassischen Navigationsmitteln
Vergiss die Papierseekarten nicht und lerne, mit ihnen umzugehen. Elektronische Hilfsmittel liefern nicht immer eine genaue Position. - Nimm genug Proviant und Getränke mit
Die Länge der Route bestimmt Menge und Auswahl des Proviants. Achte darauf, dass sich das Essen auch dann gut essen lässt, wenn das Boot schaukelt. - Denk an die Kinder an Bord und bezieh sie mit ein
Kinder lernen Sicherheit und die Grundlagen des Bootfahrens am besten, wenn sie schon im Hafen bei den Abläufen an Bord mithelfen dürfen. - Pack Ersatzstromquellen für die Elektronik ein
An Bord gibt es nur begrenzt Lademöglichkeiten für Mobilgeräte. Ein Ersatzakku oder eine Powerbank hält deine Geräte einsatzbereit.

Die Frühlingssonne wärmt das Winterlager im Hafen, und zwischen den Booten herrscht reges Treiben. Die Ski sind gewachst und für den Sommer eingelagert – jetzt kommen die Boote unter ihren Planen hervor. Es gibt allerlei Kleinigkeiten zu erledigen. Vielleicht ein neuer Kartenplotter, neue Beschläge oder die gewartete Heizung, die wieder eingebaut werden muss. Der Duft von Bootswachs verspricht schon die Abenteuer des Sommers auf dem Meer, und bald glänzen die Bordwände um die Wette mit den plätschernden Wellen.
Zum Segeln und zum Unterwegssein auf dem Wasser gehört untrennbar ein Gefühl von Freiheit. Die Freiheit, Route und Ziel selbst zu wählen, eröffnet unzählige Möglichkeiten – für kleine wie für große Abenteuer. Wie viel Freiheit du hast, hängt direkt davon ab, wie gut du dich vorbereitest. (Die S/y Silvermoon und ihre Crew versuchen, sich durch gute Vorbereitung möglichst viele Optionen für ihr Abenteuer offenzuhalten. So bereiten wir uns auf unser eigenes Abenteuer vor.)
Sicherheit beginnt vor dem Steg
Sicherheit heißt nicht, dass nichts passiert. Sicherheit heißt, dass nichts passiert, wenn etwas passiert. Es lohnt sich also, unerwartete Situationen vorauszudenken, um sie vermeiden zu können. Kurse sind eine gute Gelegenheit, Neues zu lernen und vorhandenes Wissen aufzufrischen. Zu den bekanntesten gehören die Kurse zum Schären- und Küstenschiffer.
Neben sicherer Navigation lernst du dort Seewetterkunde und die Ausweichregeln und bekommst ein Gespür für eine gute Sicherheitskultur. Der Selbstrettungskurs für Bootsfahrer ist speziell darauf ausgelegt, dass sich Kleinbootfahrer im Ernstfall selbst helfen können.
Im Trainingsbecken von Lohjan Meriturva übst du zum Beispiel, eine über Bord gegangene Person zurück ins Boot zu holen, in eine Rettungsinsel zu klettern und vieles mehr. Wellen, Wind und Regen werden im Becken simuliert. So kannst du dich sicher und unter Anleitung eines erfahrenen Trainers auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten.

Die Crew der S/y Silvermoon beim Selbstrettungskurs für Bootsfahrer
Im Frühjahr, vor dem ersten Törn, machen wir einen Aufblastest mit den automatischen Rettungswesten und prüfen ihren Zustand sowie das Ablaufdatum der Auslösepatronen. Gewöhn dich daran, an Bord praktisch immer eine Rettungsweste zu tragen. Jemanden aus dem Wasser zurück ins Boot zu holen, kann selbst bei gutem Wetter sehr mühsam sein.
Zuverlässige Kommunikation auf See
Teste das UKW-Seefunkgerät an Bord am besten ein paar Mal pro Saison. Der Mobilfunkempfang in den Schären kann überraschend schwach sein – dann ist der Seefunk im Notfall die einzige sichere Möglichkeit, die Behörden zu erreichen. Bring auch den Kindern bei, wie das DSC-Gerät funktioniert, falls kein Erwachsener in der Lage ist, Hilfe zu rufen. Bei der Bootsinspektion wird die Wartung der Feuerlöscher überprüft. Halte deine Erste-Hilfe-Kenntnisse auf dem Laufenden, denn in den Schären kann es lange dauern, bis Hilfe von außen eintrifft. Was das angeht, sind Schären und Meer durchaus mit dem Hochgebirge oder abgelegenen Wildnisgebieten vergleichbar.
Die Route wird an Land geplant
Die Planung eines Segelabenteuers ist bereits ein großer Teil des Abenteuers selbst. Das Studieren von Karten hat etwas Magisches. Die blauen Hafenhandbücher der Turun Partio-Sissit bieten Freizeitskippern schon seit Jahrzehnten unzählige neue Ziele, um anzulegen und die faszinierende Schärenwelt zu erkunden. Inzwischen verdrängen Gruppen in den sozialen Medien nach und nach die gedruckten Bücher und Karten.
Trotzdem: Abends an Bord, im Licht einer Kerze oder Laterne und im warmen Wollpullover gemeinsam über der Papierseekarte zu sitzen und mit dem Hafenhandbuch die Etappen der nächsten Tage zu planen, ist ein besonderer Moment.

Die Hafenhandbücher der Turun Partio-Sissit
Das Wetter entscheidet – sei auf Veränderungen vorbereitet
Ein Segler ist am Ziel, sobald die Leinen los sind. Gedanklich ist man aber schon am Steg angekommen: Sobald die geplante Route in Plotter und Seekarte eingezeichnet ist, hat das Abenteuer begonnen.
Auch wenn das Wetter beim Ablegen freundlich aussieht und die Sicht im Sonnenschein endlos wirkt, solltest du auf plötzliche Wetterumschwünge vorbereitet sein. Es gibt zahlreiche Wetterdienste auf unterschiedlichen Plattformen. Vergleiche verschiedene Wettermodelle miteinander und mach dir daraus deine eigene Vorhersage.
Seenebel kann dich schnell überraschen. Navigiere deshalb aktiv, auch bei guter Sicht. Verlass dich nicht allein auf den Plotter, sondern sorge dafür, dass du deine Position schnell auf der Papierseekarte bestimmen kannst. Für Seegang und schaukelige Bedingungen solltest du vorher planen, wie du navigieren willst. Den Umgang mit der Papierseekarte bei schwierigem Wetter übst du am besten im Voraus – auch wenn du elektronische Hilfsmittel an Bord hast.

Bei der Routenplanung
Proviant, Ausrüstung und ein entspannter Alltag an Bord
Die Länge des Törns bestimmt Menge und Auswahl des Proviants. Vom übrigen Outdoor-Unterwegssein unterscheidet sich das Bootfahren eigentlich nur dadurch, dass vielleicht ein Kühlschrank an Bord ist – und selbst das ist nicht auf jedem Boot der Fall. Auf längeren Törns wird die Kühlung schnell zur Herausforderung, auch mit Kühlschrank. Bewährt hat sich, Säfte einzufrieren und sie in der Kühltasche als Kühlakkus zu nutzen. So bleiben frische Lebensmittel kalt.
Trocknen als Konservierungsmethode funktioniert an Bord genauso gut wie auf einer Trekkingtour im Gebirge. Getrocknetes Hackfleisch und Instant-Kartoffelpüree schmecken auf dem Boot genauso gut wie auf einer Zelttour. Was du während des Segeltags essen willst, bereitest du am besten vorher zu. Plane dabei mit ein, dass sich das Essen unterwegs leicht essen lässt.
Vorbereitete, sättigende Salate eignen sich gut als leichtes Mittagessen zwischendurch. Zum Beispiel Couscous als Basis, dazu frische Avocado, kaltgeräucherter Lachs und Limettensaft. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Outdoor-Mahlzeiten, die nur heißes Wasser brauchen, funktionieren auf dem Wasser hervorragend. Koch im Hafen Wasser ab und füll es in Thermoskannen – dann hast du unterwegs schnell eine warme Mahlzeit, auch wenn es etwas schaukelt. Pack außerdem Notproviant ein, falls das Wetter dich überrascht und du deine Pläne ändern musst.

Getrocknetes Hackfleisch

Outdoor-Essen, das sich leicht essen lässt
Die ganze Crew packt mit an
Wenn Kinder mit an Bord sind, solltest du das bei der Vorbereitung berücksichtigen. Kinder sind sehr anpassungsfähig und finden auf dem Boot selbst etwas zu tun – solange wir Erwachsenen ihnen die Zeit dafür lassen.
Gewöhn die Kinder schon am Steg an die Rettungsweste. Am wahrscheinlichsten fallen sie nämlich direkt am Ufer ins Wasser. So verstehen sie, wie wichtig die Weste ist, und tragen sie an Deck ganz selbstverständlich.
An Bord gibt es nur begrenzt Möglichkeiten, die Akkus von Mobilgeräten zu laden. Nimm für längere Tage also Powerbanks mit. Bezieh die Kinder so viel wie möglich in das Segeln selbst ein. So gibst du ihnen Wertschätzung für die Natur und die einzigartige Schärenwelt mit auf den Weg. Fernglas und Vogelbestimmungsbuch gehören unbedingt ins Gepäck – die Schären sind ein Paradies für Vogelbeobachter.
Gut geplant ist halb gesegelt. Auf dem Wasser zählt gute Vorbereitung besonders – und sie macht großartige Abenteuer erst möglich.