Leitfaden für den Einstieg ins Packrafting
Packrafting ist eine noch recht junge Sportart. Sie begann im Jahr 2000, als Alpacka Raft in den USA das erste Packraft entwickelte und damit gleich eine ganze Sportart ins Rollen brachte. In den Norden kam Packrafting rund zehn Jahre später, einem breiteren Publikum bekannt ist es aber erst seit ein paar Jahren.
Seitdem hat sich viel getan, und die Entwicklung geht weiter. Am meisten passiert bei den Booten selbst, an deren Form und Eigenschaften ständig gefeilt wird. Die Grundidee bleibt aber gleich: ein leichtes Paddelboot, das in deinen Trekkingrucksack passt – so verbindest du Wandern und Paddeln auf einer Tour.
Diese Ausrüstung brauchst du fürs Packrafting:
- Packraft
- Paddel
- Schwimmweste
- Helm (wenn du im Wildwasser paddelst)
- Trockenanzug (nicht immer Pflicht, aber empfehlenswert)
- Trekkingausrüstung
- Wildwasser-Sicherheitsausrüstung (wenn du im Wildwasser paddelst)
Je nach Art der Tour brauchst du vielleicht noch mehr. Mehr zur Ausrüstung liest du weiter unten.
Packrafts haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt
Bevor du dein erstes Packraft kaufst, solltest du wissen, wofür du es nutzen willst. Das ist allerdings oft kaum möglich – bei vielen ändern sich die Pläne schnell, sobald sie Erfahrung sammeln und unterschiedliche Bedingungen ausprobieren.
Wildwasser-Packrafts beim Trocknen im Garten: zwei Self-Bailer und eines mit Wildwasser-Spritzdecke.
Grob unterscheidet man günstige Einsteigermodelle, Allround-Packrafts und Wildwasser-Packrafts. Die billigsten Packrafts gehen oft schnell kaputt und sind keine besonders nachhaltige Wahl. Ein Allround-Packraft ist preislich moderater und reicht für den Einstieg in den Sport völlig aus. Wildwasser-Packrafts gehören zu den leistungsfähigsten Booten – sie machen nicht nur im Wildwasser, sondern auch auf Seen und Flachwasser eine sehr gute Figur.
Zweier-Packraft auf einer längeren Tour im Hossa-Nationalpark.
Packrafts gibt es in verschiedenen Ausführungen. Am häufigsten wird ein Solomodell gekauft, aber auch Zweier gibt es in vielen Varianten. Ein Packraft kann offen sein oder eine Spritzdecke haben. Die Spritzdecke verschließt die Sitzluke, sodass bei Regen oder Wellengang kein Wasser ins Boot läuft. Es gibt Spritzdecken für Flachwasser und für Wildwasser. Manche Spritzdecken können gefährlich sein – teste deshalb an einer sicheren Stelle und unter Aufsicht einer erfahrenen Person, ob sie sich bei einer Kenterung zuverlässig öffnet.
Packrafts gibt es auch als Self-Bailer – vor allem bei Wildwasserpaddlern sehr beliebt. Diese Modelle sind selbstlenzend: Durch Löcher im Boden läuft eingedrungenes Wasser einfach wieder ab. So paddelst du ohne Spritzdecke und sparst dir viel Mühe, weil du die Decke nicht ständig lösen und wieder befestigen musst.
Bei vielen Packrafts kannst du Ausrüstung im Inneren verstauen. Über einen wasserdichten Reißverschluss kommst du in den Schlauch hinein. Meist steht dir der gesamte Innenraum zur Verfügung – pack deine Ausrüstung dort am besten in Packsäcke und befestige sie im Boot. Am besten funktionieren die vom Hersteller dafür entwickelten Packsäcke, manche nutzen aber auch ganz normale wasserdichte Packsäcke.
Ein Packraft nimmst du problemlos mit auf Reisen – hier auf dem Colorado River, der durch den Grand Canyon fließt.
Viele Packrafts sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich, vor allem im Wildwasser können die Unterschiede aber groß sein. Dort machen die Form des Boots und kleine Details viel aus. Auf Flachwasser zählt vor allem die Rumpfgeschwindigkeit. Als Faustregel gilt: Je länger das Boot, desto schneller ist es.
Vätsäri ist eines der beliebtesten Seengebiete für Packrafter.
Packrafts sind etwas langsamer als ein langer Tourenkajak oder ein Kanadier, die guten Modelle paddeln sich aber auch auf Seen angenehm. Ein Packraft ist nicht besonders spurtreu und schlingert beim Paddeln ein wenig – das stört aber kaum. An die fehlende Spurtreue gewöhnst du dich schnell, einen Kiel oder eine Finne brauchst du in der Regel nicht. Auf technischem Wasser, etwa auf einem Fluss, auf dem du dich zwischen Steinen hindurchschlängeln musst, ist eine Finne sogar hinderlich, weil sie das Wenden erschwert.
Das Paddel ist dein Motor
Wenn du dein erstes Packraft kaufst, plan auch Budget für vernünftige Ausrüstung ein. Ein billiges Paddel bricht schnell und paddelt sich unangenehm. Mit einem besseren Paddel macht das Paddeln mehr Spaß, und du musst dir weniger Sorgen machen, dass etwas kaputtgeht.
Der häufigste Fehler: ein zu langes Paddel. Wenn du dir bei der Länge nicht sicher bist, ist ein verstellbares Paddel die sicherere Wahl. Praktisch jedes Packraft paddelst du am besten mit einem 197–210 cm langen Paddel, die meisten nutzen 197–205 cm. Paddel haben außerdem eine Blattverschränkung, die es für Rechts- und Linkshänder gibt. Bei vielen verstellbaren Paddeln lässt sie sich für beide Seiten einstellen. Üblich sind etwa 30 Grad, bei vielen Paddeln kannst du den Winkel aber nach Wunsch anpassen.
Meist soll das Paddel möglichst leicht sein, damit das Paddeln weniger anstrengend ist. Das zählt vor allem auf langen Seetouren. Im Wildwasser und auf Wildnistouren steht dagegen die Haltbarkeit an erster Stelle. Die leichtesten Paddel sind in der Regel aus Carbon, etwas schwerere aus Glasfaser. Die günstigsten bestehen aus Kunststoff – doch auch dabei gibt es Unterschiede.
Ein leichtes, vierteiliges Paddel eignet sich auch gut als Ersatzpaddel.
Wenn du dein Packraft im Rucksack tragen willst, empfehlen wir ein vierteiliges Paddel. Es lässt sich in kürzere Teile zerlegen und besser verstauen. Ein zweiteiliges Paddel bleibt beim Gehen an jedem Ast hängen und ist etwas unhandlich, hat dafür aber weniger Teile, die kaputtgehen können.
Auf Wildnistouren sollte die Gruppe immer mindestens ein Ersatzpaddel dabeihaben – und in der Lage sein, im Notfall selbst ein Paddel zu bauen, falls eines bricht oder verloren geht.
Auf dem Wasser trägst du immer eine Schwimmweste
Leider sieht man auch in Skandinavien immer noch Paddler ohne Weste. Dabei sollte die Weste auf dem Wasser so selbstverständlich sein wie der Sicherheitsgurt im Auto. Moderne Paddelwesten sind sehr bequem und scheuern nicht – es gibt also keinen Grund, ohne zu fahren.
Geräumige Taschen an der Weste sind praktisch.
Brauchbare Westen bekommst du schon günstig, sie halten aber nicht unbedingt so lange wie hochwertigere Modelle. Wichtig ist, dass die Weste gut passt und genug Auftrieb hat. Der Auftrieb wird in Newton angegeben: 50 N reichen für Flachwasser. Auf kleinerem Wildwasser oder windigen Seen sollten es 60 N sein. Erfahrene Wildwasserpaddler nutzen 70-N-Westen, mit denen sie auch in größerem Wildwasser zurechtkommen.
Für Einsteiger reicht eine normale Paddelweste. Erfahrene Paddler tragen sogenannte Rettungswesten (Rescue-Westen) mit zusätzlichen Funktionen. Diese Westen sind nichts für Anfänger – für den Umgang damit solltest du eine Schulung machen, damit nichts schiefgeht.
Im Wildwasser trägst du einen Helm
Wer im Wildwasser paddelt, trägt immer einen Helm. Wildwasserpaddler nehmen Ausrüstung und Sicherheitsregeln ernst, denn der Sport kann lebensgefährlich sein, wenn man Gefahren nicht erkennt. Mit ordentlicher Ausrüstung gewinnst du auch Respekt unter Paddlern und wirkst nicht wie ein blutiger Anfänger.
Die Schwierigkeitsstufe des Wildwassers ändert nichts daran, wie hart die Steine sind.
Helme gibt es in vielen Varianten, denn auch Köpfe sind unterschiedlich groß und geformt. Probier einen Helm vor dem Kauf immer auf. Ein unbequemer Helm nervt gewaltig – einen bequemen dagegen willst du nicht einmal am Ufer absetzen.
Der Trockenanzug ist dein wetterfester Paddelanzug
Für alle, die in Skandinavien und im Norden paddeln, ist ein Trockenanzug eine lohnende Investition. Damit verlängerst du die Paddelsaison, bist vor Wind und Regen geschützt – und er gehört zur wichtigsten Sicherheitsausrüstung.
Trockenanzüge gibt es ein- und zweiteilig. Einteiler sind verbreiteter.
In nördlichen Gewässern ist Unterkühlung die häufigste Todesursache. Im kalten Wasser verschafft dir ein Trockenanzug viel zusätzliche Zeit für die Selbstrettung – ohne ihn bist du nach wenigen Minuten kaum noch handlungsfähig.
Ein Trockenanzug ist ein wasserdichter Anzug, der dich selbst beim Schwimmen trocken hält. Moderne Anzüge haben integrierte Füßlinge, sodass auch deine Socken trocken bleiben. Bei den Manschetten, also den “Dichtungen” an Handgelenken und Hals, hast du die Wahl zwischen Neopren und Latex. Neopren funktioniert auf Seen noch gut und ist etwas bequemer, im Wildwasser solltest du aber Latex wählen. Neoprenmanschetten lassen früher oder später Wasser durch.
Manche Paddelreviere im Norden liegen in arktischen Gebieten, wo das Wasser immer kalt ist.
Für den Toilettengang gibt es Anzüge mit Erleichterungsreißverschluss für Männer und Frauen. Gerade bei Regen ist das ein großer Vorteil – sonst musst du den ganzen Anzug öffnen und wirst innen nass.
Vor allem im Wildwasser bekommst du ordentlich Spritzwasser ab. Ein Trockenanzug bringt viel Schutz und Sicherheit.
Unter den Anzug ziehst du am besten Funktionsunterwäsche aus Merinowolle. Der Trockenanzug hält dich trocken, die Isolationsschicht darunter wählst du je nach Wetter. Denk dabei auch an die Wassertemperatur: Wenn du kenterst, schwimmst du – und deine Isolation sollte immer darauf ausgelegt sein.
Anzüge nutzen sich ab und brauchen Pflege. Füßlinge bekommen Löcher, Manschetten müssen getauscht werden. Achte beim Kauf darauf, wie der Service des Herstellers funktioniert. Der nordische Hersteller Ursuit hat zum Beispiel eine eigene Servicestelle im finnischen Turku.
Trekkingausrüstung fürs Packrafting
Packrafting eignet sich gut für Touren mit Übernachtung und lange Trekkingtouren. Dann brauchst du deine komplette Trekkingausrüstung. Selbst wenn das Boot nur 3 kg wiegt, kommen noch Paddel und Weste dazu, oft auch Trockenanzug, Helm und weitere Paddelausrüstung. Achte deshalb genau auf das Gewicht deiner Ausrüstung und darauf, wie klein sie sich packen lässt.
Eine Wildnistour mit Wildwasserabschnitten erfordert viel Ausrüstung.
Auch wenn du schon Trekkingerfahrung hast und alles Nötige besitzt, steht vielleicht ein Update an. Bist du ohnehin ultraleicht unterwegs, hast du es leichter. Die erste Herausforderung ist oft der Rucksack. Ideal wäre es, wenn alles hineinpasst – das bedeutet in der Praxis aber ein enormes Volumen, oder du musst einen Teil der Ausrüstung außen am Rucksack befestigen. Ein rahmenloser Rucksack lässt sich leichter im Packraft verstauen.
Bei manchen Zelten kannst du das Paddel als Mittelstange nutzen und so Gewicht sparen.
Das Zelt gehört oft zu den schwersten und sperrigsten Ausrüstungsteilen. Wir empfehlen ein leichtes Zelt, am besten ohne Gestänge. Unter Packraftern verbreitet ist das Pyramidenzelt. Dafür brauchst du eine Mittelstange – das können deine Trekkingstöcke oder das Paddel sein.
Du kannst Paddeln auch mit Radfahren kombinieren. Hier geht es zu Mittsommer für eine Nacht auf eine Insel.
Überleg genau, welche Ausrüstung du wirklich brauchst und wo du Gewicht und Packvolumen sparen kannst. Erste-Hilfe-Set, Sicherheitsausrüstung fürs Paddeln und Reparaturmaterial fürs Packraft gehören aber immer ins Gepäck.
Wildnistouren und Wildwasser mit dem Packraft
Deine Paddeltechnik trainierst du am besten an einer sicheren Stelle. Wenn Paddel- und Wildniskenntnisse sitzen, kannst du Touren in abgelegenere Gebiete planen. Fang mit leichteren Wochenendtouren an und steigere dich nach und nach zu anspruchsvolleren Zielen.
In Nordschweden gibt es viele spektakuläre Ziele für erfahrene Packrafter.
Packrafting ist ein Gruppensport, besonders im Wildwasser. Du brauchst eine passende Gruppe. Kenterungen gehören im Wildwasser dazu, und die Gruppe bewältigt sie mit Rettungsmanövern. Diese Manöver müssen vorher geübt werden und schnell sowie kraftsparend klappen. Am besten lernst du sie in Wildwasserkursen.
Beim Wildwasser-Sicherheitskurs (WRT-PRO) in Slowenien.
Die richtige Ausrüstung ist gut, sie bedienen zu können ist besser – am wichtigsten ist aber Erfahrung. Die kannst du nicht kaufen, und am besten sammelst du sie in erfahrener Begleitung. In der Gruppe sollte immer mindestens eine erfahrene Person dabei sein. Auch die Gruppengröße zählt: Auf einer für die Gruppe anspruchsvollen Strecke sind 4–8 Personen ideal. Mit weniger als vier Personen sind Rettungen nur eingeschränkt möglich, ab acht Personen wird die Kommunikation schwierig und die Abstände auf dem Fluss werden zu groß.
Kentern gehört dazu, sagt man im Wildwasser. Beim Packraften gehört auch das Schwimmen dazu.
Der häufigste Fehler auf Wildwassertouren: zu wenig Übung mit der Sicherheitsausrüstung – oder sie fehlt ganz. Sicherheitsausrüstung kommt immer mit, Gewicht sparst du woanders. Jeder Paddler sollte eine Pfeife, einen Wurfsack, Schraubkarabiner und eine Schleppleine für das Boot dabeihaben. Du musst diese Ausrüstung auch richtig tragen: Das Seil muss geeignet und an der richtigen Stelle verstaut sein. Karabiner brauchen eine Verschlusssicherung, “überzählige” gehören geschützt in eine Tasche und dürfen nicht an Weste oder Packraft hängen. Kleine Zubehörkarabiner, mit denen viele Karte oder Trinkflasche am Packraft befestigen, sind oft lebensgefährlich.
Der Ivalojoki ist ein großartiges Ziel für eine Packraft-Tour.
Die meisten Wildnisreviere im Norden sind abwechslungsreiche Flussrouten. Du kannst aber auch reine Seentouren unternehmen, wie es im Wildnisgebiet Vätsäri üblich ist. Auch hier musst du immer auf eine Kenterung vorbereitet sein. Die größten Herausforderungen sind starker Wind und hohe Wellen. Auch beim Anlanden kenterst du leicht und verlierst dein Boot. Denk immer an die Risiken und paddle möglichst in Ufernähe. Kaltes Wasser und große offene Seeflächen sind immer eine gefährliche Kombination.
Das Packraft ist ein vielseitiges Paddelboot
Ein Packraft ist sehr einsteigerfreundlich. Mit einem Packraft fällt der Einstieg ins Paddeln leichter als mit Kanadier oder Kajak, weil es sehr kippstabil ist.
Packraften im Dezember auf dem Fluss Aura in Turku.
Vielseitig ist der Sport, weil du ganz unkompliziert Tagestouren auf Seen und Flüssen machen kannst – in der Natur genauso wie in der Stadt. Das Packraft wirfst du einfach ins Auto, oder du fährst mit dem Bus oder sogar mit dem Fahrrad los. Die Hürde für eine Tour ist sehr niedrig, und zu Hause braucht das Boot kaum Platz.
Packraft-Ausrüstung passt problemlos ins Auto – genau wie Trekkingausrüstung.
Typische Packrafter im Norden sind entweder Outdoorfans, die ihren Radius erweitern wollen, oder Angler. Angeln vom Packraft aus ist einfach und bequemer als zum Beispiel im Belly Boat. Mit dem Packraft kommst du auch an Stellen, die vom Ufer aus nicht erreichbar sind.
Sichere Touren mit dem Packraft!
Geschrieben von Caj Koskinen – Wildnisguide und Packraft-Ausbilder bei Hutkai.






















