Orientierung auf Wanderungen und Trekkingtouren — Karte, Kompass und GPS-Geräte
Orientierung ist eine der wichtigsten Fähigkeiten beim Wandern. Wenn du die Grundlagen beherrschst, kannst du deinen Standort auf der Karte bestimmen und einschätzen, wie schnell du vorankommst. Vor allem verirrst du dich nicht so leicht, und du bist unterwegs sicherer.
Die Grundlagen der Orientierung lernst du am besten schon zu Hause. Danach kannst du deine Fähigkeiten in vertrautem Gelände in der Nähe sicher verfeinern.
Mikko arbeitet als Outdoor-Experte in unserer Filiale in Kuninkoja. Er hilft Wanderern seit fast 20 Jahren bei der Ausrüstung, und viele unserer Kunden kennen ihn schon lange. Mikko ist der Outdoor-Experte hinter unseren Ratgeberinhalten.
Navigation bedeutet, auf einer geplanten Route systematisch von A nach B zu gelangen. Das geht allein mit dem Orientierungssinn oder mit einer Karte. Die Karte kann auf Papier, auf dem Handy oder auf einem GPS-Gerät sein. Meist hast du auch einen Kompass dabei.
Papierkarten bekommst du im Handel, du kannst sie aber auch selbst ausdrucken. Für Touren in Finnland gibt es im Internet zahlreiche Kartendienste, die das Kartenmaterial des finnischen Landesvermessungsamts kostenlos bereitstellen. Karten kannst du direkt beim Landesvermessungsamt herunterladen oder zum Beispiel den Dienst Pikakartta nutzen.
In unserem Sortiment findest du Wanderkarten für Finnland und andere Länder.
Den Orientierungssinn nutzen
Oft sagen Leute, sie hätten einen schlechten Orientierungssinn. Meist liegt das Problem aber woanders: Ihre Aufmerksamkeit ist bei anderen Dingen statt beim eigenen Weg.
Dein Orientierungssinn profitiert stark davon, wenn du eine Karte des Gebiets dabeihast oder es dir vorher auf der Karte angesehen hast. Überleg dir unterwegs immer wieder, in welche Richtung du gerade gehst. Wenn du auf die Geländeformen achtest, kannst du deinen Standort auf der Karte bestimmen.
In dichtem Wald ist die Sicht allerdings schlecht, und auf verzweigten Wegenetzen gerät der Orientierungssinn schnell durcheinander. Hast du keinen Kompass dabei, kannst du dich am Sonnenstand, an Schatten und Ähnlichem orientieren.
Navigation mit Karte und Kompass
Der Umgang mit Karte und Kompass gehört zu den Grundfertigkeiten, die du vor einer Trekkingtour oder einem anspruchsvollen Ziel beherrschen solltest. Die Grundlagen für den Anfang lernst du schnell.
Zuerst musst du deinen eigenen Kompass bedienen können und die Karte kennenlernen, die du verwendest. Es gibt viele verschiedene Karten. Und kaum etwas ist schöner, als vor einer Tour über der Karte zu sitzen und von der kommenden Wanderung zu träumen. Eine gute Wahl sind die wasserdichten, strapazierfähigen Karten von Calazo.
Prüfe zuerst, welches Gebiet die Karte abdeckt. Reicht das für deine Tour? Sieh dir den Maßstab an und beachte, dass auf einem Kartenblatt manchmal mehrere Karten gedruckt sind, teils in unterschiedlichen Maßstäben. Auf Trekkingtouren ist 1:50 000 üblich und reicht meist gut aus. Achte auch darauf, wie vielen Kilometern ein Gitterquadrat entspricht. Mit diesen Quadraten kannst du Entfernungen gut abschätzen.
Auf dem offenen Fjäll in Schweden kann 1:100 000 genügen. Damit behältst du den Überblick über das Gebiet. In sehr schwierigem Gelände brauchst du eventuell 1:25 000 oder eine noch genauere Karte. Auf langen Strecken wird die Karte dann aber sehr groß und unhandlich. Für kurze Touren kannst du problemlos eine detailliertere Karte mitnehmen.
Viele Karten enthalten eine Legende mit den Kartenzeichen. Du findest sie auch im Internet. Die Zeichen lernst du am besten gemütlich zu Hause, während du deine nächste Tour planst. Hier findest du die Zeichenerklärung des finnischen Landesvermessungsamts.
Karten liefern dir viele wichtige Informationen. Dazu gehören die Höhen von Fjällgipfeln und Bergkuppen, Wassertiefen, Wildnishütten, Wege, Schneemobilrouten und Sehenswürdigkeiten. Auch die Grenzen von Wander- und Naturschutzgebieten sind eingezeichnet.
Im Bild siehst du den Suunto A-10. Er eignet sich für Einsteiger und normale Wandertouren. Die Bedienungsanleitung findest du auch auf der Website von Suunto.
Es gibt viele verschiedene Kompasse, daher lohnt sich ein Blick in die mitgelieferte Anleitung. Ein Kompass funktioniert magnetisch. Halte ihn deshalb von Metallgegenständen und Ähnlichem fern, die die Nadel ablenken können. Die rote Nadel zeigt nach Norden. Auf der Gradeinteilung liegt Norden bei 0 bzw. 360 Grad, Osten bei 90, Süden bei 180 und Westen bei 270 Grad.
Bei guter Sicht, etwa im Fjäll Lapplands oder oberhalb der Baumgrenze in den Alpen, genügt es meist, deinen Standort auf der Karte zu finden. Danach behältst du unterwegs im Blick, wo du dich gerade befindest. Leichter wird es, wenn du die Karte einnordest. Lege dazu den Kompass so auf die Karte, dass der Marschrichtungspfeil nach Kartennord zeigt. Drehe dann die Karte, bis auch die rote Kompassnadel in dieselbe Richtung zeigt. Jetzt hältst du die Karte “richtig herum” in der Hand.
Deinen Weg verfolgst du aber noch leichter, wenn die Karte beim Gehen stets richtig ausgerichtet bleibt und in deine Gehrichtung zeigt.
Mit dem Kompass kannst du auch eine Marschrichtung bestimmen. Das hilft vor allem bei schlechter Sicht oder wenn du einen ganz bestimmten Punkt auf der Karte erreichen willst. Das geht ganz einfach:
- Lege die Kante des Kompasses entlang deiner Route an. Angenommen, du bist an Punkt A und willst zu Punkt B. Mit der Skala an der Kante kannst du dabei gleich die Länge der Strecke messen (halte die Karte waagerecht).
- Drehe die Kompassdose so, dass die Nordlinien an ihrem Boden nach Kartennord zeigen. Nutze dafür das Gitternetz der Karte (im Bild das blaue Gitter).
- Ziehe die Missweisung ab (mehr dazu weiter unten).
- Nimm den Kompass in die Hand, halte ihn waagerecht und drehe dich, bis die Nordnadel in der Nordmarkierung der Dose steht.
- Geh in die Richtung, in die der Marschrichtungspfeil zeigt.
Der Kompass zeigt dir jetzt die Marschrichtung. Peile in dieser Richtung eine sichtbare Landmarke an und nimm danach die nächste ins Visier. So bleibst du sicher auf Kurs.
Mit einem Spiegelkompass peilst du dein Ziel an und behältst gleichzeitig die Kompassnadel im Blick. Über das „Visier“ richtest du den Kompass einfach auf dein Ziel aus. Im Spiegel siehst du die Kompassrose von oben, ohne die Peilung zu verlieren.
Die Missweisung korrigieren
Der geografische und der magnetische Norden liegen in leicht unterschiedlichen Richtungen. Die Abweichung zwischen beiden heißt Missweisung oder magnetische Deklination. In Finnland liegt sie je nach Region zwischen 6 und 14 Grad. Du kannst sie auf den Seiten des Finnischen Meteorologischen Instituts nachsehen. Meist ist sie auch auf Wanderkarten angegeben.
Auf der Calazo-Karte ist die Missweisung deutlich angegeben. In Lappland reicht sie von etwa +10 Grad im Westen bis +14 Grad im Osten. In Finnland nimmt sie derzeit jährlich um etwa 0,2 Grad zu.
Wenn du eine Marschrichtung mit dem Kompass bestimmst, kann also eine Korrektur von bis zu 14 Grad nötig sein. Du musst die Missweisung nicht immer korrigieren, solltest aber wissen, dass es sie gibt.
Von der Karte überträgst du die geografische Richtung auf den Kompass. Die Nordnadel zeigt dagegen zum magnetischen Norden. In Finnland ist die Missweisung immer positiv. Positiv bedeutet, dass der magnetische Norden östlich des geografischen Nordens liegt. Der Kompass zeigt also zu weit “nach rechts”, und die richtige Richtung liegt um den Missweisungswinkel weiter “links”.
So korrigierst du die Missweisung
- Lies die Anleitung deines Kompasses. Manche Modelle haben eine einstellbare Missweisungskorrektur, oft mit einer Stellschraube an der Unterseite.
- Hat dein Kompass keine einstellbare Korrektur, bestimme zuerst die Marschrichtung auf der Karte. Drehe dann die Kompassdose um den Wert der Missweisung im Uhrzeigersinn (bei positiver Missweisung). Du ziehst also die Gradzahl der Missweisung von der Marschrichtung ab.
Navigation mit Handy und GPS-Gerät
Handys und GPS-Geräte sind praktische Helfer beim Navigieren. In sehr dichtem Wald oder bei schlechter Sicht ist es manchmal richtig schwer, den eigenen Standort auf der Karte zu finden. Dann helfen dir ein GPS-Gerät oder ein Handy sehr.
Trotzdem bleibt der Umgang mit Karte und Kompass eine Grundfertigkeit, die du lernen solltest. Pack die Karte immer ein, auch wenn du hauptsächlich anders navigierst. Karte und Kompass dabeizuhaben reicht allerdings nicht, du musst sie auch benutzen können. Gerade wenn du müde bist und dich verlaufen hast, sind diese Fähigkeiten Gold wert.
Navigation mit dem Handy
Das Handy ist ein sehr brauchbares Navigationswerkzeug. Es gibt kostenlose Karten-Apps. Für Offline-Karten und Routenplanung musst du aber meist bezahlen. Karten-Apps sind leicht zu bedienen. Smartphones haben meist einen großen, scharfen Touchscreen, und du siehst deinen Standort direkt auf der Karte.
Denk daran: Wenn die Karten nicht auf dem Handy gespeichert sind, brauchst du eine Internetverbindung, damit alles zuverlässig funktioniert.
Vorteile des Handys
- einfach zu bedienen
- dein Standort wird auf dem Display angezeigt
- das Handy hast du meist sowieso dabei
- Navigation klappt auch in schwierigem Gelände und bei schlechter Sicht
Nachteile des Handys
- der Akku kann sich vor allem bei Kälte recht schnell entleeren (bei starkem Frost funktioniert das Handy unter Umständen gar nicht)
- Wetterschutz und Stoßfestigkeit sind oft schwach (schon leichter Regen, Feuchtigkeit vom Körper oder ein Sturz auf den Boden kann das Handy unbrauchbar machen)
- als technisches Gerät birgt das Handy viele Risiken: Die Software kann abstürzen, das GPS ausfallen usw.
- wenn du hauptsächlich mit dem Handy navigierst, entwickelst du deine Orientierungsfähigkeiten kaum weiter, weil du deinen Standort ständig auf der Karte siehst
- Kostenlose Apps brauchen meist eine Netzverbindung
Navigation mit dem GPS-Gerät
Ein GPS-Gerät ist genau wie das Handy sehr empfehlenswert und zuverlässig für die Navigation. Viele erfahrene Trekker haben zur Sicherheit eines dabei. Hast du dich gründlich verlaufen, findest du damit deinen Standort wieder. Auch bei sehr schlechter Sicht, etwa im Schneesturm, kannst du damit navigieren.
Auf dem GPS-Gerät kannst du vorab deine Route, Hütten und interessante Sehenswürdigkeiten speichern. Die Funktionen unterscheiden sich je nach Gerät stark. Am besten verschaffst du dir mit Anleitungsvideos einen Überblick, zum Beispiel auf YouTube.
Die Geräte entwickeln sich ständig weiter. Die Modelle der Garmin inReach-Serie bieten zum Beispiel Satellitenkommunikation. Damit kannst du über das Satellitennetz Nachrichten senden und empfangen und Wetterdaten abrufen. Auch ein Notruf ist möglich, selbst wenn es im Gebiet kein Mobilfunknetz gibt. Bei Trekkern und Abenteurern in abgelegenen Wildnisgebieten sind solche Geräte inzwischen weit verbreitet.
Vorteile des GPS-Geräts gegenüber dem Handy
- besserer Wetterschutz und höhere Stoßfestigkeit
- mehr Funktionen
- insgesamt zuverlässiger
Nachteile des GPS-Geräts gegenüber dem Handy
- erfordert mehr Einarbeitung
- meist schlechteres Display
- hoher Anschaffungspreis im Vergleich zu einer kostenpflichtigen Karten-App fürs Handy
Tipps für Einsteiger
Die wasserdichten Karten von Calazo kannst du zum Beispiel einfach in die Oberschenkeltasche deiner Wanderhose stecken. Karten, die nicht wasserdicht sind, verstaust du dagegen am besten immer in einer wasserdichten Kartentasche. Auch für Handys gibt es wasserdichte Schutzhüllen und Cases. Vor allem selbst ausgedruckte Karten gehen bei Feuchtigkeit sehr schnell kaputt, wenn sie nicht auf wasserfestem Papier gedruckt sind.
Lerne, mit deinen eigenen Navigationsgeräten umzugehen. Vor allem GPS-Geräte solltest du schon bei Übungsrunden in der Umgebung gründlich kennenlernen.
Navigation zu üben macht richtig Spaß. Die Grundlagen hast du schnell drauf, und verfeinern kannst du deine Fähigkeiten immer weiter. Setz auf Touren zumindest anfangs auf Karte und Kompass, damit du sicher genug wirst. Wenn du die Orientierung verlierst und keine Gefahr besteht, versuch ruhig, deinen Standort ohne GPS wiederzufinden. Genau in solchen Situationen lernst du am meisten. Auf einer Papierkarte hast du außerdem meist den besseren Überblick. Du siehst dort ein großes Gebiet auf einmal, nicht nur einen Ausschnitt auf dem kleinen Display von Handy oder GPS. So planst du Routen leichter.




















