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Funktioniert ein Gaskocher im Winter?

Über Gaskocher gibt es viele Meinungen: Manche halten sie schon bei leichtem Frost für unzuverlässig, andere schwören, dass sie sogar bei −30 °C funktionieren. Ganz so einfach ist die Sache nicht, deshalb wird dieser Beitrag etwas länger.

Wir haben zwei Gaskocher bei Temperaturen getestet, bei denen die meisten Outdoor-Fans unterwegs sind: bei −4 °C, bei −19 °C und zum Vergleich auch bei +19 °C.

Im Einsatz waren die Gaskocher MSR Pocket Rocket 2 und Primus Lite Plus (im Test das alte Modell), als Brennstoff dienten Primus Winter Gas 230 g und Jetboil Jetpower 230 g. Die beiden Kocher unterscheiden sich deutlich in der Leistung und lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Im Test ging es vor allem um die Unterschiede zwischen den Gasen. Gerade weil die Kocher so verschieden sind, bekam der Test mit zwei Modellen etwas mehr Aussagekraft.

Funktioniert ein Gaskocher im Winter – hilft Wintergas?

  • Gaskocher funktionieren bei Frost, aber die Leistung sinkt
  • Je kälter es ist, desto größer ist der Leistungsverlust
  • Bei 19 °C gab es keinen Unterschied zwischen Sommer- und Wintergas
  • Bei -4 °C war das Wintergas deutlich leistungsstärker
  • Bei -19 °C war das Sommergas bereits sehr viel langsamer
  • Auch das Wintergas war bei Frost langsamer als bei 19 °C
  • Das Wintergas war bei -4 °C und -19 °C fast gleich leistungsstark

Unser Test war nur ein kurzer Praxisversuch, und ganz so einfach ist die Sache nicht. Kocher unterscheiden sich stark: Manche funktionieren auch bei recht strengem Frost gut, andere fallen unter Umständen ganz aus. Auch die Gasmischung hat großen Einfluss. Dazu kommen viele weitere Variablen: Topfform, wie dicht der Deckel schließt, Windschutz, Luftdruck, Druckveränderung in der Kartusche, Temperatur des Topfmaterials usw.

Was ist der Unterschied zwischen Winter- und Sommergas?

Laut Jetboil enthält die Kartusche 25 % Propan, 70 % Isobutan und 5 % n-Butan. Dieses Gas wird als Vier-Jahreszeiten-Gas verkauft. Manche Hersteller füllen dagegen 20 % Propan und 80 % Isobutan in die Kartusche, wodurch das Gas in der Kälte schlechter funktioniert.

Das Jetboil-Gas heißt eigentlich Vier-Jahreszeiten-Gas.

Gasmischungen bestehen in der Regel aus drei Komponenten:

  • Propan (Siedepunkt −42 °C)
  • Isobutan (Siedepunkt −12 °C)
  • N-Butan (Siedepunkt −0,5 °C)

Jedes dieser Gase hat seine eigene Aufgabe. Sie werden gemischt, damit das Ergebnis als Outdoor-Gas möglichst gut funktioniert. In der Kartusche liegen die Gase unter Druck verflüssigt vor.

Primus bietet getrennt ein Sommergas, Power Gas und ein Wintergas an. Das Wintergas ist bis −22 °C angegeben und schlug sich auch bei −19 °C noch sehr gut.

Propan kennen viele vom Grillen. Sein Siedepunkt liegt bei -42 °C, darunter kann es nicht mehr verdampfen. Propan erzeugt außerdem einen sehr hohen Druck – so hoch, dass eine Kartusche mit reinem Propan deutlich robuster gebaut sein müsste. Die heutigen Kartuschen würden das nicht sicher aushalten.

Isobutan ist sicherer, weil der Druck nicht so hoch ist. Sein Siedepunkt liegt aber bei -12 °C, bei großer Kälte funktioniert es also nicht besonders gut. Eine Kartusche mit reinem Isobutan hätte keinen zuverlässigen Druck und wäre teurer.

N-Butan ist günstig. Es hat dieselbe Summenformel wie Isobutan, aber eine andere Struktur (Isobutan ist ein Isomer von Butan). Im Sommer funktioniert es gut, nahe null Grad verdampft es jedoch nicht mehr.

Im Winter funktioniert eine Gasmischung besser, wenn sie gar kein n-Butan enthält und der Propananteil erhöht wird.

Auf der Primus Winter Gas-Kartusche ist das Mischungsverhältnis nicht angegeben. Der größte Vorteil kommt aber eigentlich vom “Vapor mesh” im Inneren. Dieser poröse, papierähnliche “Netzstrumpf” vergrößert die Grenzfläche zwischen Flüssigkeit und Gas, sodass das Flüssiggas in der Kälte deutlich besser verdampft. Die Kartusche arbeitet effizienter – das hat auch unser Test gezeigt.

Warum kühlt die Gaskartusche beim Kochen ab?

Du hast sicher schon bemerkt, dass die Gaskartusche beim Kochen kalt wird. Eine ausreichend warme Lufttemperatur genügt also nicht – du musst auch die Abkühlung der Kartusche einkalkulieren. Wenn das Gas brennt, passieren in der Kartusche zwei Dinge: Das flüssige Gas verdampft, und dafür wird Energie benötigt.

Wenn Flüssigkeit zu Gas wird, nimmt sie Energie auf. Diese Energie stammt aus der Flüssigkeit in der Kartusche und aus dem Metall der Kartusche selbst. Kartusche und Inhalt kühlen ab, während Wärmeenergie ins Gas übergeht.

Kühlt die Kartusche ab und sinkt die Innentemperatur, verdampft das Gas langsamer. Der Druck fällt, die Flamme wird schwächer – der Kocher verliert an Leistung und dein Wasser braucht länger, bis es kocht.

Beispiel:

Im Sommer: Du startest bei +20 Grad, die Kartusche kühlt um 10 Grad ab und hat damit immer noch +10 Grad – die Verdampfung funktioniert weiterhin gut.
Im Winter: Du beginnst bei −10 °C, Wasser zu kochen, die Kartusche kühlt um 10 Grad ab → auf −20 °C, und das Butan verdampft nicht mehr. Beim Brennen wird vor allem Propan verbraucht, in der Kartusche bleibt anteilig mehr Butan zurück. Der Druck bricht ein, weil Propan einen höheren Druck hat als Butan.

Ist der Verbrauch von Sommer- und Wintergas trotzdem gleich?

Viele denken vermutlich: Sommergas ist zwar langsamer, verbraucht aber wohl auch weniger – man verliert also nur Zeit? Spart Wintergas bei Kälte auch Brennstoff?

Beim Sommergas haben wir festgestellt: Der Druck sinkt → die Flamme wird schwächer und die Kochzeit verlängert sich. Die Leistung des Kochers nahm mit sinkender Temperatur also deutlich ab.

Energie=Leistung×Zeit

Sinkt die Leistung, verlängert sich die Zeit überproportional – und damit steigen Energiebedarf und Verbrauch. Ein Teil der Wärme geht außerdem verloren, weil der Topf länger in der Kälte steht. Beim Sommergas kommt es zudem häufiger zum “Phantombrennen”: Das Butan verdampft nicht mehr und der Kocher verbrennt nur noch Propan. Dadurch sinkt der Druck noch weiter. In der Praxis kann der Verbrauch an Sommergas um bis zu 10–30 % höher liegen.

Mit diesen Tricks funktioniert deine Gaskartusche bei Kälte besser

Wird es deutlich kälter als -19 °C, bekommen die meisten Gaskocher ernsthafte Probleme. Wie gut ein Kocher in der Kälte arbeitet, ist von Modell zu Modell sehr unterschiedlich.

  • ein Gaskocher mit Druckregler hält den Druck konstant, kann ihn aber nicht erhöhen
  • ein Kocher mit Schlauch und Vorwärmschleife funktioniert in der Kälte viel besser, weil du die Kartusche auf den Kopf stellen kannst

Im Bild der Primus Spider mit Schlauch zur Brennstoffkartusche und Vorwärmschleife, Leistung 2000 W.

Bei kaltem Wetter hilft ein Gaskocher mit Schlauch. Du kannst die Kartusche vorher zum Beispiel in der Jacke anwärmen – das bringt die Verdampfung in Gang. Auch ein Gefäß mit warmem Wasser eignet sich dafür. Erhitze die Kartusche aber auf keinen Fall zu stark und leg sie nie in die Nähe eines Lagerfeuers.

Auch der Primus Gravity 3 -Kocher hat eine Vorwärmschleife und satte 3000 W Leistung.

Dein Kocher arbeitet besser, wenn die Kartusche “falsch herum” steht. Mit einem Schlauchkocher kannst du die Kartusche auf den Kopf drehen. Wärme den Kocher zuerst mit “richtig herum” stehender Kartusche vor. Ist er nach ca. 30 Sekunden heiß, drehst du die Kartusche “auf den Kopf”.

In der Kartusche befindet sich oben Gas und unten Flüssigkeit. Wird unten entnommen, zieht der Kocher “Flüssigkeit” (Flüssigphase) an, und die Verdampfung findet nicht in der Kartusche, sondern in der Vorwärmschleife statt. Flüssiggas trennt sich dabei nicht nach Dampfdruck auf – die Mischung tritt im selben Verhältnis aus, in dem sie in der Kartusche vorliegt. Das Propan wird also nicht zuerst verbraucht, und das Butan “bleibt nicht in der Kartusche zurück”, wo es den Druck senken würde.

Warum ist ein “Benzinkocher” im Winter besser?

Zusammen mit den Gaskochern haben wir auch den Mehrstoffkocher Primus Omnilite Ti getestet. Der Omnilite Ti hat 2600 W Leistung, die Gaskocher im Test liegen bei 2400 W (Pocket Rocket 2) und 1500 W (Primus Lite).

Die Testergebnisse mit dem Omnilite waren nicht konstant. Die Zeiten hingen auch davon ab, wie viel Druck in die Brennstoffflasche gepumpt wurde und wie weit das Regulierventil des Kochers geöffnet war. Beides ließ sich schwer jedes Mal exakt gleich einstellen, unser Fazit lautet aber:

  • bei +19 °C war der Omnilite der langsamste Kocher
  • bei -4 °C etwa gleichauf mit dem Pocket Rocket 2 und deutlich schneller als der Lite Plus
  • bei -19 °C die kürzeste Kochzeit von allen

Mit einem Mehrstoffkocher lohnt sich eine Kocherbox. Sie bietet dem Kocher eine ebene, nicht brennbare Unterlage und lässt sich im Notfall schließen.

Geht es von hier aus in extreme Kälte, ist ein Mehrstoffkocher die zuverlässigere Lösung. Als Brennstoff kommt dann meist Benzin zum Einsatz – deshalb spricht man umgangssprachlich vom Benzinkocher.

Propan verdampft unter -42 °C nicht mehr. Rechnest du die Abkühlung der Kartusche mit ein, kann das in der Praxis schon bei deutlich höheren Temperaturen passieren. Selbst das Wintergas von Primus wird riskant, wenn das Thermometer auf etwa -20 °C fällt.

Das in Benzinkochern verwendete Gerätebenzin, also Alkylatbenzin, wird mit einer separaten Pumpe unter Druck gesetzt (unabhängig vom Dampfdruck, anders als bei Gas) und ist daher nicht im gleichen Maß temperaturabhängig wie Gas.

Alkylatbenzin gefriert bei normalem Wintereinsatz nicht. Bei sehr strengem Frost kann es dickflüssiger werden, wachsartige Kristalle bilden und schließlich halbfest werden. Als Brennstoff funktioniert Gerätebenzin noch bei -40 °C, verdampft dann aber schlechter. In der Praxis liegt die Einsatzgrenze irgendwo zwischen −40 und −60 °C.