Fotografieren auf Ausflügen und Wanderungen
Fotografieren ist ein schönes Hobby und passt gut zu Touren und Trekking. Für viele ist die Fotografie sogar der Hauptgrund, überhaupt rauszugehen. Mit dem Handy sind Fotos schnell gemacht, in diesem Artikel geht es aber vor allem um die Systemkamera.
Ich bin Caj und erstelle Inhalte für Scandinavian Outdoor. Die meisten Bilder in unserem Marketing stammen von mir, und die Models arbeiten oft selbst bei uns. Nach meinem eigenen Maßstab “betreibe” ich die Fotografie seit 10 Jahren – und merke immer noch, dass ich ständig dazulerne. In diesem Bereich gibt es so viel zu lernen, dass ein allumfassender Ratgeber unmöglich ist. Hier gebe ich dir aber meine eigenen Tipps für Touren und Trekking.
Unterschiede zwischen Smartphone und Systemkamera
Mit dem Smartphone fotografierst du meist am einfachsten, und die Kamerafunktionen der Handys werden ständig besser. Willst du unterwegs weit entfernte Motive, den Sternenhimmel, Polarlichter oder andere anspruchsvolle Motive festhalten, greifst du zur Systemkamera.
Der Himmel explodierte förmlich in Morgenfarben. Auf Skitour auf der Hetta-Pallas-Route.
20 mm F3.5 1/100s ISO 100.
Mit der Systemkamera hast du mehr Einfluss auf das Bild. Beim Smartphone übernimmt oft die Automatik und entscheidet, wie das Foto aussieht. An der Systemkamera lassen sich Belichtung und Schärfentiefe einfach einstellen, und mit verschiedenen Objektiven änderst du zusätzlich die Brennweite. Außerdem fühlt sich das Fotografieren mit einem größeren Brocken in der Hand einfach mehr nach Fotografieren an.
So steigst du in die Fotografie ein
Am einfachsten gelingt der Einstieg meiner Meinung nach über einen Fotokurs oder viel Lernmaterial im Netz. Dabei stößt du allerdings oft auf widersprüchliche Ratschläge – einfach, weil sich vieles auf ganz unterschiedliche Weise lösen lässt.
Ein Rentier vor verschneiten Fjells. Auf diesen Moment hatte ich gewartet und ging fast auf Bodenhöhe, damit die Fjells passend im Hintergrund lagen. Zur Sicherheit hatte ich einen höheren ISO-Wert eingestellt, falls schnelle Bewegungen ins Spiel kommen. 200 mm F2.8 1/3200s ISO 400.
Übe von Anfang an, die Tasten und Räder deiner Kamera zu finden, ohne hinzusehen. Das hilft vor allem bei Nachtaufnahmen. Die Tasten lassen sich meist auch individuell belegen – ich empfehle dir, dich zumindest mit der sogenannten Back-Button-Fokussierung vertraut zu machen.
Ich selbst habe die Grundlagen gelernt, indem ich im manuellen Modus fotografiert und mir die nötigen Basics Schritt für Schritt erarbeitet habe. Sitzen die Grundlagen, bekommst du viel leichter die Bilder, die du willst – und nicht die, die zufällig entstehen. Misslungene Aufnahmen werden seltener, und die Bearbeitung geht leichter von der Hand.
Selbstporträt mit Stativ. Die Blende war “weit offen”, um den Nebel über dem Feld zu betonen und den Hintergrund unschärfer zu machen. Bei der Bildkomposition lässt man oft mehr Raum in Blick- oder Bewegungsrichtung. 35 mm F1.4 1/8000s ISO 100.
Der Name Systemkamera kommt daher, dass Kamera und Objektiv ein System bilden. Neben einer passenden Kamera brauchst du meist ein paar Objektive. Geld lässt sich in diesem Hobby unbegrenzt ausgeben, aber wenn du klug und gebraucht kaufst, hältst du die Kosten im Rahmen. Ein gebrauchtes Objektiv lässt sich oft fast zum Kaufpreis wieder verkaufen – das Geld ist also eher geparkt. Überleg dir gleich am Anfang, wie du ein stimmiges Objektiv-Set zusammenstellst, statt einfach Objektive zu kaufen, die sich gerade gut anfühlen.
Wie wählst du die richtige Systemkamera?
Beim Kamerakauf stößt du schnell ans Budget – neue Gehäuse sind richtig teuer. Für die erste Kamera lohnt es sich, Freunde zu fragen, die selbst fotografieren. Denk aber daran, dass viele Hobbyfotografen an einer bestimmten Marke hängen bleiben und andere Optionen nicht unbedingt kennen. Kameras gibt es auch gebraucht zu vernünftigen Preisen.
Schnappschuss vom Wildwasserpaddeln im Grand Canyon. Um die Gischt der Wellen einzufrieren, braucht es eine kurze Verschlusszeit. 200 mm F2.8 1/640s ISO 100.
Zur Auswahl stehen sogenannte Vollformat- und Crop-Sensor-Kameras. Crop-Sensor-Kameras sind oft günstigere Einsteigermodelle. Neben dem Preis haben sie einen weiteren Vorteil: Durch den Cropfaktor bekommst du mehr Millimeter, und das Fotografieren entfernter Motive wird oft günstiger. Vollformatkameras sind in der Regel hochwertigere Profikameras, für die es auch hochwertigere (teurere) Objektive gibt.
Unglaubliche Wolken und ein Regenbogen hinter dem See. Der Moment dauerte nur wenige Sekunden. Ich habe abgeblendet, sodass ISO 100 reichte und die Belichtungszeit trotzdem kurz genug blieb, um kleine Bewegungen einzufrieren. 14 mm F8 1/250s ISO 100.
Wenn du eine Kamera kaufst, bist du für längere Zeit mit ihr verheiratet. Hast du mehrere Objektive und denkst irgendwann über einen Kamerawechsel nach, ist es einfacher, bei derselben Marke zu bleiben – dann passen deine Objektive weiterhin. Die Auswahl ist heute groß, und welche Kamera die beste ist, lässt sich unmöglich sagen. Die Hersteller entwickeln sich meist zeitversetzt: Mal scheint einer vorne zu liegen, dann drehen sich die Verhältnisse wieder um.
Zeltaufbau in den schwedischen Bergen. Mit etwas mehr Millimetern wirken die Berge im Hintergrund mächtig. Der ISO-Wert hätte niedriger sein können, aber das Licht wechselte ständig und ich wollte auf Nummer sicher gehen. 70 mm F4.5 1/3200s ISO 800.
Für Touren und Trekking empfehle ich eine leichte Systemkamera, für die es auch leichte Objektive gibt. Verbringst du viel Zeit draußen, sollten Kamera und Objektive wettergeschützt sein. Vor einigen Jahren bin ich von Spiegelreflex- auf spiegellose Kameras umgestiegen – Größe und Gewicht der Kamera sind dabei deutlich gesunken.
Auf Trekkingtouren nutze ich meist nur ein Zoomobjektiv mit 24-200 mm, damit lässt sich fast alles fotografieren, was ich brauche. Wenn ich weiß, dass gute Chancen auf beeindruckende Nachtaufnahmen bestehen, packe ich zusätzlich eine 20-mm-Festbrennweite ein.
Mitternachtssonne, Lageraufbau im Gegenlicht. 46 mm F5.3 1/3200s ISO 100.
Angefangen habe ich mit einer günstigen, aber soliden Spiegelreflexkamera mit Crop-Sensor, der Nikon D3100. Sie lieferte sehr dynamische Bilder und kostete neu, soweit ich mich erinnere, etwa 350 €. Für das Geld bekam ich richtig viel. Später fing ich an, nebenberuflich unter anderem Hochzeiten zu fotografieren, und wechselte zur Vollformatkamera Nikon D610. Mit ihr war ich sehr zufrieden. Als die spiegellosen Kameras kamen, sah ich die Chance, meine Ausrüstung mit Blick auf Trekkingtouren leichter zu machen, und landete schließlich bei der Nikon Z6. Wie du siehst: Mit Nikon bin ich von Anfang an verheiratet geblieben.
Welche Objektive brauche ich für die Outdoor-Fotografie?
Um die passenden Objektive auszuwählen, solltest du wissen, was du fotografieren willst. Es gibt Objektive mit fester Brennweite und Zoomobjektive. Wenn du noch nicht weißt, was du fotografieren wirst, und gerade erst einsteigst, empfehle ich ein Zoom. Die sogenannten Kit-Objektive, die meist mit der Kamera geliefert werden, eignen sich sehr gut für den Einstieg.
Für Vogelfotografie brauchst du meist mindestens 200 mm Brennweite. Ist das Motiv weiter weg, darf es an einer Vollformatkamera gern deutlich mehr sein. Meist ist auch eine kurze Verschlusszeit nötig – der Buntspecht ist allerdings oft ein dankbares Motiv. 500 mm F5.6 1/80s ISO 800.
Wenn du merkst, was du brauchst, denk ans Gesamtpaket und kauf Objektive nach und nach, so wie es das Budget erlaubt. Auf diese Eigenschaften achte ich am meisten:
Eigenschaften von Objektiven
- Brennweite
- Blende
- Gewicht
- Wetterschutz
- Preis
Brennweite wird in Millimetern angegeben. Multipliziert mit dem “Cropfaktor” der Kamera ergibt sich die Kleinbild-Äquivalenz. Je mehr Millimeter, desto stärker die Vergrößerung. Ein 100-mm-Objektiv an einer “Vollformat”-Kamera entspricht also 100 mm Kleinbild, an einer Kamera mit “Cropfaktor” 1,3 dagegen 130 mm.
Je größer die Kleinbild-Äquivalenz, desto stärker die Vergrößerung.
Die Blaumeise ist flink, sitzt aber auch mal eine Sekunde still. 500 mm F5.6 1/100s ISO 800.
Ich nutze eine sogenannte Vollformatkamera, und diese Brennweiten verwende ich am häufigsten:
- Weitwinkelobjektive im Bereich 14-20 mm nutze ich für Sternenhimmel, Milchstraße, Polarlicht– und Landschaftsfotografie. Sie eignen sich auch für ausgefallenere Nahaufnahmen.
- Die 35-mm-Festbrennweite war früher mein meistgenutztes Objektiv. Solche Objektive gibt es günstig mit hoher Lichtstärke (sogar mit Blende F1.8). Eine sehr vielseitige Brennweite für Menschen, Details und Landschaften auf Touren und Trekkingtouren.
- Ein 85-mm-Objektiv ist schön für Porträts: Mit einem lichtstarken Objektiv bekommst du einen weichen Hintergrund, und Gesichtszüge werden nicht verzerrt wie bei einem Weitwinkel. Außerdem wirken Fjells und Co. im Hintergrund damit groß, während ein Weitwinkel sie klein drückt.
- Mit 100-200 mm wird es lang genug, um schon ein wenig Vögel und entfernte Motive zu fotografieren. Auch weit oben, etwa auf Fjellgipfeln, gelingen damit schöne Landschaftsbilder. Eignet sich auch für Nahaufnahmen mit weichem Hintergrund.
- 200-600 mm: Wenn du mehr Vögel oder Tiere fotografierst und nicht nah genug herankommst, brauchst du mehr Millimeter. Diese Teleobjektive sind schon richtig teuer – vor allem lichtstarke Modelle kosten mehrere Tausend Euro.
Weicher Hintergrund für einen Rucksack im Werbefoto. 85 mm F1.8 1/160s ISO 100.
Beim Objektiv wird die Blende angegeben, genauer gesagt die größte Blendenöffnung. Der Zahlenwert ist ein Kehrwert: Je kleiner die Zahl, desto größer die Öffnung. Das ist etwas verwirrend, aber merk dir einfach: Je kleiner der Zahlenwert, desto geringer die Schärfentiefe, desto dunkler darf es sein und desto kürzer kann die Verschlusszeit sein. Daher stammen auch Begriffe wie „schnelles Glas“ oder „lichtstarkes Objektiv“. Festbrennweiten mit großer Blende (kleiner Zahlenwert) gibt es zu vernünftigen Preisen, bei Zoomobjektiven schießt der Preis dagegen oft in die Höhe.
Zelt im Whiteout. Von den Abendaufnahmen war noch ISO 800 eingestellt, weniger hätte auch gereicht. 26 mm F4.2 1/6400s ISO 800.
Wetterschutz ist zumindest auf Trekkingtouren wichtig. Die Kamera bekommt schnell Feuchtigkeit und Schmutz ab. Auch in die Objektive dringen Feuchtigkeit und Staub ein. Teurere Objektive sind fast immer wettergeschützt.
Objektive sind vor allem neu sehr teuer, und der Preis bestimmt, was du überhaupt kaufen kannst. Plane deshalb genau, was du fotografierst und was du brauchst, und kauf das nötige Set möglichst günstig. Hast du Objektive, deren Brennweiten sich überschneiden, gibst du auch “unnötig” Geld aus.
Eine Flamme ist ein bewegtes Motiv und braucht tatsächlich eine sehr kurze Verschlusszeit, wenn du ihre Bewegung einfrieren willst. 20 mm F1.8 1/1000s ISO 100.
Meine aktuellen Objektive: Nikkor-Z-Festbrennweiten: 20 mm f/1.8, Nikkor 85 mm f/1.8. Zooms: 24-70 mm f/4 und 24-200 mm f/4-6.3. Hier überschneiden sich die Brennweiten, aber das eine eignet sich besser für Videos und das andere für vielseitige Fotografie. Ich spare gerade auf ein 180-600 mm f/5.6-6.3.
Was gibt es auf Touren zu fotografieren?
Hast du die Kamera erst einmal besorgt und ziehst voller Vorfreude zur ersten Fototour in den Wald, merkst du schnell: Motive gibt es überall. Draußen findest du das ganze Jahr über reichlich zu fotografieren – auch Details, die dir ohne Kamera wohl nie aufgefallen wären.
Sumpfporst am Rand eines sonnigen Moors. Der weiche Hintergrund hebt die Pflanzen hervor. 200 mm F2.8 1/250s ISO 100.
Ein paar Ideen, was du auf Touren fotografieren kannst:
- Makrofotografie ist ausgesprochen spannend. Du kannst kleine Details der Natur und Insekten fotografieren – die Motive gehen nie aus. Für Makros gibt es eigene Objektive, mit manchen Teleobjektiven klappt es aber auch.
- Nahaufnahmen in größerem Maßstab als Makro. Die Natur bietet viele Motive, und auch Kuksa-Becher, Messer und Co. sind dankbare Motive.
- Personenaufnahmen bringen eine neue Dimension und spannende Inhalte ins Bild. Daraus entstehen auch die schönsten Erinnerungen. Du kannst Personen für Social Media gezielt in Szene setzen oder dokumentarisch fotografieren.
- Mit Landschaftsaufnahmen hältst du Erinnerungen an besuchte Orte fest. Auch sie kannst du dokumentarisch und möglichst natürlich fotografieren oder bei der Bearbeitung kreativ werden – das Bild verschönern oder eher Gefühle als die “Realität” festhalten.
- Vogel- und Tierfotografie ist oft etwas anspruchsvoller, denn die Models hören selten aufs Kommando. Du musst die Tiere, die du fotografierst, erst besser kennenlernen.
Biene beim Pollensammeln, fotografiert mit einem Makroobjektiv. Die Herausforderung bei Makros ist die begrenzte Schärfentiefe – hier sind aber sowohl Blüte als auch Model scharf. 90 mm F16 1/100s ISO 100.
Wie gelingt ein gutes Foto?
Das ist meine Lieblingsfrage und vielleicht etwas, worüber es sich immer wieder nachzudenken lohnt. Was ist ein gutes Foto? Eine richtige Antwort gibt es nicht, denn es hängt vom Betrachter ab.
Ich kenne mich mit Vögeln nicht gut genug aus – vielleicht ein Rotkehlpieper? Der Vogel jagte Insekten auf einer Blumenwiese. Ich fotografierte direkt vom Boden aus, um auch das Eismeer in den Hintergrund zu bekommen und dem Vogel einen schöneren Hintergrund zu geben. 200 mm F6.3 1/250s ISO 400.
Am Anfang habe ich gelernt, indem ich mir Bilder anderer angesehen habe. Ich habe täglich 100-1000 Bilder auf Fotoplattformen durchgeklickt, bei jedem Bild, das ich gut fand, angehalten und überlegt, was es gut macht. Nach einem Jahr verstand ich langsam, welche Bilder mir gefallen und welche ich selbst machen möchte.
Schnappschuss: kurzer Jubel auf einem windigen Fjellgipfel. Ein Weitwinkel hätte die Fjells im Hintergrund platt gedrückt, deshalb stand ich bewusst etwas weiter weg vom Motiv, um mehr Millimeter nutzen zu können. 56 mm F5.6 1/2000s ISO 100.
Auf Touren sind die besten Bilder nicht immer die technisch besten. Sie haben einfach auf fast magische Weise Stimmung und Situation eingefangen. Manchmal sitzt der Fokus nicht, manche Stellen sind ausgebrannt – und trotzdem hält das Bild genau den richtigen Moment fest.
Eine Mahlzeit aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert. Hier mit Zwergsträuchern im Hintergrund. 35 mm F1.4 1/160s ISO 100.
Schaust du dir später deine eigenen Bilder an, merkst du allerdings, dass die älteren meist einfach nicht gut sind. Es gibt viel zu verbessern, obwohl sie sich damals unglaublich gut angefühlt haben. Das ist ein gutes Zeichen – denn dann weißt du, dass du dich weiterentwickelt hast.
Dasselbe Motiv von der anderen Seite: Im Hintergrund mehr freie Fläche und Seelandschaft. 35 mm F1.4 1/125s ISO 100.
Eine Abkürzung zu guten Bildern gibt es nicht: Du musst einfach dranbleiben, deine Kamera und Ausrüstung kennenlernen, Theorie lernen und mutig Eigenes ausprobieren. Lerne, wie sich Licht im Bild verhält. Licht bringt Schärfe ins Bild, muss aber aus der richtigen Richtung kommen. Oft ist es am besten, wenn das Licht leicht von der Seite auf das Motiv fällt – manchmal sorgt dagegen Gegenlicht für eine großartige Stimmung.
Wieder dieselbe Szene, jetzt direkt von oben. 35 mm F1.4 1/80s ISO 100.
Mit der Bildkomposition hatte ich anfangs am meisten zu kämpfen. Ebenso damit, wie man einen Menschen anschneidet, ohne dass es seltsam aussieht. Drittelregel und Goldener Schnitt solltest du lernen. Danach kannst du sie bewusst brechen – wenn du weißt, was sie besagen.
Oft werde ich gefragt, wie man ausgefallenere Bilder macht
Wie bekommst du einen möglichst weichen, unscharfen Hintergrund?
Ein weicher Hintergrund entsteht durch möglichst geringe Schärfentiefe. Wenn du auf ein Motiv scharfstellst, ist dieses scharf, vor und hinter der Fokusebene wird das Bild aber unscharf. Diesen scharfen Bereich kannst du steuern – je schmaler er ist, desto unschärfer, also weicher, wird der Hintergrund.
Kuksa-Becher von oben fotografiert, der Hintergrund liegt nah am Motiv. 35 mm F1.4 1/20s ISO 100.
Die Schärfentiefe wird geringer, wenn die Blende möglichst weit geöffnet ist (kleinster Zahlenwert), du möglichst nah ans Motiv herangehst und deine Kamera einen möglichst großen Sensor hat.
Mit einer Vollformatkamera kommst du näher ans Motiv als mit einem Crop-Sensor. Die Handykamera hat einen sehr kleinen Sensor, deshalb bekommst du dort meist nur per Bildbearbeitung einen weichen Hintergrund – oder die Kamera macht mehrere Aufnahmen bzw. nutzt mehrere Kameras gleichzeitig, und die Software fügt alles zu einem Bild zusammen.
Kuksa-Bild aus derselben Situation wie das vorherige, jetzt mit mehr freiem Raum im Hintergrund. Das Lagerfeuer erscheint als Bokeh-Kugeln. 35 mm F1.4 1/100s ISO 100.
Wählst du am Aufnahmeort zudem einen Platz, an dem hinter dem Motiv viel freier Raum bleibt – und nicht direkt ein Baum oder eine Wildnishütte steht –, wird der Hintergrund noch unschärfer.
Wie fotografierst du den Sternenhimmel?
Für Aufnahmen des Nachthimmels brauchst du meist ein Stativ und ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. Früher nutzte ich ein 14 mm f/1.4 mit manuellem Fokus, heute ein 20 mm f/1.8 mit Autofokus.
Ein reiner Sternenhimmel wirkt als Bild oft langweilig. Mit einem Motiv im Vordergrund bekommt das Bild sofort mehr Substanz. Kamera auf dem Stativ, Langzeitbelichtung. 20 mm F1.8 30s ISO 800.
Nachts ist es natürlich sehr dunkel, und die Herausforderung besteht darin, genug Licht auf den Sensor zu bekommen. Das gelingt mit großer Blende, langer Belichtungszeit und/oder höherem ISO-Wert. Ist es völlig dunkel, scheint kein Mond und gibt es keine Lichtverschmutzung, brauchst du oft die maximale Belichtung. Also: so lange wie möglich belichten, die größte Blende wählen (kleinster Zahlenwert) und den ISO-Wert so weit hochdrehen, wie deine Kamera – vorher getestet – noch Bilder ohne allzu störendes Rauschen liefert.
Nachtaufnahme von einem Unterstand und einem Wanderer. Der Fokus liegt hier nicht auf unendlich, sondern auf dem Unterstand. Du kannst eine Person bitten, eine Weile stillzuhalten – so sind fast 10 Sekunden Belichtung möglich, ohne dass sie sich zu sehr bewegt. 20 mm F1.8 8s ISO 400.
Mit meinem 20-mm-Objektiv belichte ich meist maximal 25 Sekunden. Für Sternaufnahmen sind 20 Sekunden besser, denn die Sterne wandern und verlieren ihre runde Form. Die maximale Belichtungszeit hängt von der Brennweite und der Sensorgröße ab – Rechner dafür findest du im Netz.
Das Objektiv muss auf unendlich fokussiert sein – genau hier passiert der häufigste Fehler, und er ist der Hauptgrund für unscharfe Bilder. Unendlich liegt selten genau dort, wo es auf dem Fokusring markiert ist. Teste und übe das am besten zuerst bei Tageslicht.
Der Mond ist ein bewegtes Motiv und braucht eine kurze Belichtungszeit, sonst entsteht Bewegungsunschärfe. Freihand ohne jede Stütze fotografiert. 500 mm F5.6 1/100s ISO 100.
Wie gelingt ein beeindruckendes Polarlichtfoto?
Polarlichter zu fotografieren ist schon ziemlich anspruchsvoll – vor allem, wenn du ein wirklich gutes Bild willst. Zuerst musst du zur richtigen Zeit draußen sein. Dabei hilft ein Polarlicht-Alarm per E-Mail enorm.
Kamera auf dem Stativ vor dem Planen-Unterstand, das Polarlicht passend dahinter. Sechs Sekunden Belichtung reichten, um die Bewegung schön einzufrieren. 14 mm F2.8 6s ISO 1000.
Du brauchst ein Stativ und solltest dir vorher einen guten Fotospot überlegen. Ein Bild nur vom Polarlicht selbst ist meist langweilig. In Lappland können Polarlichter in jeder Himmelsrichtung auftauchen, weiter im Süden leuchten sie am Nordhimmel. Sogar bei mir zu Hause in Parainen in Südwestfinnland sind Polarlichter zu sehen.
Beim nächtlichen Toilettengang sah ich einen grünen Schleier am Horizont. Zum Glück war die Kamera in der Nähe. Ich brauchte eine lange Belichtungszeit, damit das Polarlicht Anfang September auf dem Sensor landete. 20 mm F1.8 20s ISO 800.
Polarlichter bewegen sich. Eine zu lange Belichtung verwischt diese Bewegung, und im Bild bleibt mehr oder weniger grüner Brei. Ich belichte oft etwa 3-6 Sekunden, wenn die Polarlichter richtig in Bewegung und hell genug sind.
Die Lagergruppe bewundert nächtliche Polarlichter. Eine etwas kürzere Belichtungszeit hätte die Bewegung besser eingefroren. Die hellste Stelle ist fast ausgebrannt. 14 mm F2.8 6s ISO 400.
Ziemlich oft sieht man Fotos, auf denen das Polarlicht ausgebrannt ist. Das kann an Überbelichtung bei der Aufnahme oder bei der Bearbeitung liegen. Ein ausgebranntes Polarlicht erkennst du daran, dass die Farben verschwinden und es fast weiß wird.
Ein seltener Anblick: eine Korona. Das Polarlicht steht direkt über mir, in Turku. 14 mm F2.8 4s ISO 400.
Der Schlüssel zu einem gelungenen Polarlichtbild: ein guter Spot, solide Grundlagen, Übung – und viel Zeit draußen. Oft dauert der beste Moment nur Minuten, und wenn du dann drinnen bist, kommst du beim Rausgehen schnell zu spät. Manchmal lasse ich die Kamera fertig auf dem Stativ draußen stehen, die Einstellungen ungefähr passend, den Ersatzakku in der Tasche, wärme mich im Zelt auf und schaue zwischendurch nach dem Himmel.
Fotografieren auf Trekkingtouren
Auf Trekkingtouren zu fotografieren ist die Königsdisziplin. Mit schwerem Rucksack auf dem Rücken, im Packraft im Wildwasser, mit der Pulka im tiefen Schnee oder bei Regen und Wind bleiben Fotos schnell aus. Da hilft nur echte Lust am Fotografieren und Freude am Hobby.
Zeltaufbau in der Mitternachtssonne. Das Bild ist leicht ins Violette getönt. 94 mm F6.3 1/1000s ISO 100.
Zu einer Trekkingtour kannst du über deine Fotos immer wieder zurückkehren. Vieles, was unterwegs passiert ist, vergisst du mit der Zeit – hast du es aber in Fotos und Videos festgehalten, kommst du jederzeit zurück zu diesen wertvollen Momenten.
Mit Blick auf die großen Fjells. 52 mm F8 1/500s ISO 100.
Ich habe schon ordentlich Fotoausrüstung durch die Wildnis geschleppt und gemerkt: Achte darauf, dass du mit deiner Kamera auch wirklich fotografierst. Sprich: Sie sollte griffbereit sein und nicht gut verpackt irgendwo unten im Rucksack liegen.
Bei so einem Bild solltest du die Zweigreste oben rechts entweder wegschneiden oder mit den Werkzeugen eines Bildbearbeitungsprogramms entfernen. 24 mm F7.1 1/50s ISO 100.
Die mitgelieferten Kameragurte bleiben bei mir immer im Schrank, ich nutze bessere. Drei Gurtarten habe ich ausprobiert:
Sling-Gurt
Damit trägst du die Kamera auch länger und hast sie schnell zur Hand. Der Gurt drückt selbst auf langen Etappen nicht stark auf die Schultern. Er verheddert sich aber leicht mit den Rucksackgurten, und es nervt gewaltig, den Rucksack abzunehmen, wenn alles durcheinander ist. Außerdem bekommt die Kamera schnell etwas ab, wenn sie auf bequemer Höhe baumelt.
Befestigung am Schultergurt des Rucksacks
Die Kamera ist ständig griffbereit. Du hast sie schnell in der Hand und bekommst sie recht leicht wieder zurück. Sie sitzt an einer guten Stelle und bekommt nicht so leicht Stöße ab. Gerade ein schwereres Kamera-Set drückt aber schon nach ein paar Stunden unangenehm. Etwas besser wird es, wenn du am anderen Schultergurt eine Trinkflasche mit etwa einem halben Liter Wasser als Gegengewicht befestigst.
Handschlaufe
Ist die Kamera nicht allzu schwer und fotografierst du viel, kannst du sie auch in der Hand tragen. Ich nutze das ab und zu, wenn ich weiß, dass auf einem Abschnitt der Tour besonders fotogene Orte kommen und ich viele Bilder machen werde. Mit Trekkingstöcken funktioniert das nicht, deshalb nur für kurze Zeit.
Ohne Gurt
Ziemlich oft trage ich die Kamera ganz ohne Gurt. Dann habe ich einen festen Platz, an dem ich sie schnell verstauen kann. Ohne Gurt passt sie besser in den Rucksack, eine wasserdichte Fahrradtasche oder eine Decktasche am Kajak.
Schütze deine Kameraausrüstung
Kameraausrüstung mag es nicht, wenn sie zu schnell von kalt nach warm oder von feucht nach trocken wechselt. Im Winter lasse ich die Kamera geschützt in der Apsis des Zelts, wenn das Zelt beheizt wird. Komme ich von einer Tour nach Hause, bleibt die Kamera erst länger in der Tasche im Auto und muss auch zu Hause noch eine Weile warten, bevor ich sie auspacke. Holst du die Kamera zu schnell aus der Kälte ins Warme, kondensiert Feuchtigkeit im Inneren.
Oberhalb der Baumgrenze ändert sich die Perspektive komplett. 35 mm F10 1/60s ISO 400.
Im Rucksack solltest du Objektive vor Stößen schützen. Ich ziehe oft eine Wollsocke über das Objektiv und packe es zwischen weiche Kleidung oder in den Schlafsack. Außerdem ist meine gesamte Ausrüstung im Rucksack immer in einem wasserdichten Packsack vor Feuchtigkeit geschützt – die Kamerasachen oft sogar doppelt.
Reicht der Bildwinkel des Objektivs nicht aus, kannst du ein Panorama aus mehreren Bildern erstellen. Panorama aus 7 Hochformataufnahmen vom Gipfel des Pyhä-Nattanen. Daraus lassen sich auch gute Wandbilder machen – horizontal sind es über 10 000 Pixel. 24 mm F4 1/1600s ISO 100.
Bei Kälte machen Kameraakkus gern schlapp, deshalb trage ich den Ersatzakku oft warm in der vorderen Hosentasche. Der Oberschenkel gibt Wärme an den Akku ab. Manchmal meldet der Akku in der Kamera nach dem Auskühlen, er sei leer – dann tausche ich die Akkus zwischen Tasche und Kamera hin und her.
Höckerschwan am Meeresufer. 500 mm F8 1/1250s ISO 100.
Auf Tour kann die Frontlinse schnell etwas abbekommen, wenn du nicht aufpasst. Schützen kannst du sie mit einer Gegenlichtblende und/oder einem Schutzfilter im Filtergewinde. Ich habe schon mehrere Gegenlichtblenden zerlegt – sie fangen Stöße effektiv ab, sind beschädigt oft noch brauchbar und günstig zu ersetzen.
Ist deine Kamera nicht wettergeschützt, pack sie bei Regen lieber gleich geschützt in den Rucksack.
Bildbearbeitung – RAW oder JPG?
Als Facebook und Handykameras populär wurden, veränderte sich die Fotografie. In den wohlhabenden westlichen Ländern hat praktisch jeder eine Kamera und ist auf seine Weise Fotograf. Bildbearbeitung ist dagegen seltener und sorgt für hitzige Diskussionen. Manche finden, Bilder sollte man nicht bearbeiten, weil sie sonst nicht mehr echt sind – echt sei nur ein unbearbeitetes Handyfoto. Dabei wird vergessen, dass auch das Handyfoto ein bearbeitetes JPG ist. In der Software des Smartphones steckt ein Bildbearbeitungsprogramm, das jedes Foto bearbeitet, manchmal sogar ziemlich kräftig.
Links das unbearbeitete RAW, rechts das bearbeitete Bild. Die Belichtung in schattigen Bereichen lässt sich in der Bearbeitung korrigieren, ohne dass der Himmel ausbrennt.
Entscheidend ist am Ende, wie stark du ein Bild bearbeitest und was du damit willst: den Moment möglichst so dokumentieren, wie du ihn gesehen hast? Oder kreativ sein, das Bild nach deinem Geschmack möglichst schön machen oder eher Gefühle als die “Realität” festhalten?
Ein Bild darf auch mal eine kreativere, künstlerische Interpretation sein und muss nicht immer die “Realität” nachahmen.
Auge und Gehirn funktionieren ganz anders als eine Kamera – entsprechend unterschiedlich ist das Ergebnis. Nimm dir beim Fotografieren ruhig einmal bewusst Zeit, erst die Szene und dann das Bild anzuschauen. Beides sieht sehr unterschiedlich aus. Die Belichtung so hinzubekommen, wie sie in der Natur war, ist schwierig – vor allem Schatten und helle Bereiche leiden, und im Bild braucht es einen Kompromiss, weil der Dynamikumfang der Kamera meist nicht reicht, um alles festzuhalten.
Wanderer im Gegenlicht. Wir waren in der Mitternachtssonne unterwegs. Wegen meiner Lichtempfindlichkeit muss ich eine Sonnenbrille tragen und sehe durch die Gläser vieles anders. In der Nachbearbeitung habe ich die Farbstimmung an mein Empfinden angepasst. 50 mm F5.6 1/4000s ISO 100.
Oft entwickle ich bei der Bearbeitung für eine Tour einen eigenen Stil – eine Stimmung, die ich mit einer bestimmten Farbwelt verbinde – und übertrage ihn auf die Bilder. Im professionellen Bereich kannst du dagegen nicht immer nach eigenem Geschmack arbeiten, sondern musst dich nach dem Stil des Kunden richten oder einen Stil finden, der zum Verwendungszweck passt.
Eine Nahaufnahme mit langem Tele sorgt für einen weichen Hintergrund. 500 mm F5.6 1/160s ISO 400.
Willst du deine Bilder später stärker bearbeiten, fotografiere in RAW – diese Dateien enthalten mehr Daten. Bearbeitest du gar nicht oder nur minimal, kann JPG durchaus sinnvoll sein. Entdeckst du aber irgendwann die Bildbearbeitung für dich und alle alten Bilder sind JPGs, ärgerst du dich womöglich.
Die Spornammer verschmilzt mit dem Gelände, Aufnahme von Bodenhöhe. 200 mm F6.3 1/160s ISO 100.
Ich selbst bearbeite Bilder sehr gern – nach einer Trekkingtour gehört es für mich zum Schönsten, die Bilder anzuschauen und zu bearbeiten. Deshalb fotografiere ich in RAW und nutze Lightroom. Adobes Foto-Abo kostet unter 15 € im Monat, und meiner Meinung nach bekommst du dafür deutlich mehr für dein Geld als mit teurerer Kameraausrüstung.
Ein Rehbock überraschte mich, und die Kamera hatte die falschen Einstellungen. Ich habe mitgezogen, also die Kamera beim Auslösen in Laufrichtung geschwenkt – so wurde der Kopf scharf, der Rest des Tieres und der Hintergrund sind unscharf. Bewegungsunschärfe lässt sich nachträglich nicht mehr korrigieren.
Lightroom ist sehr einfach zu bedienen, und auf YouTube gibt es viele Tutorials. Du kannst eigene Presets speichern, sie bei Bedarf schnell auf Bilder anwenden und Fotos zügig in Social Media posten. Praktisch speicherst du auf deiner Festplatte nur die RAW-Versionen und exportierst JPGs, wenn du sie brauchst. Die Bearbeitung kannst du jederzeit nachträglich ändern. Denk an Backups deiner RAW-Dateien.
Verantwortungsvoll fotografieren in der Natur
Beim Fotografieren in der Natur gilt immer: verantwortungsvoll handeln. Auch wenn ein tolles Bild lockt, denk an Betretungsbeschränkungen und die Ruhe der Tiere. Vor allem Vögel mögen keine Störung – fotografiere sie lieber aus größerer Entfernung mit längerer Brennweite.
Ein Drohnenbild in der Wildnis gibt einen guten Überblick über den Zeltplatz.
Nimm auch Rücksicht auf andere Menschen. Gerade Drohnen sind laut, und nicht jeder will das in der Ruhe der Natur hören.
In finnischen Naturschutzgebieten ist das Fliegen von Drohnen in Bereichen mit Betretungsbeschränkungen sowie in wichtigen Brutgebieten von Vögeln (zum Beispiel auf Inseln, Schären und in Meeresbuchten mit Vogelkolonien) und an wichtigen Rastplätzen verboten.
Ich hoffe, dieser lange Text hat dir Tipps und Inspiration fürs Fotografieren gegeben. Viel Freude mit diesem großartigen Hobby!









































